Mazedonien: Nationale Symbole als Wahlkampfthema

8. März 2016, 11:02
126 Postings

Inszenierte Streitereien dominieren vor den Wahlen am 5. Juni

Skopje/Tirana – Als Mitte Februar das Adler-Monument in Skopje eingeweiht wurde, mussten natürlich die albanischen Schüler alle erscheinen. Die Schulen wurden geschlossen. Die Partei rief. Denn nicht nur die slawischen Mazedonier, sondern auch die Albaner wissen, dass es in dem semi-autoritären Staat gefährlich sein kann, wenn man nicht gehorcht, wenn die Politiker appellieren.

Der schwarze Adler glänzte also auf der Blumeninsel im Kreisverkehr in dem Viertel Cair, das hauptsächlich von Albanern bewohnt wird. Und der Chef der größten Albaner-Partei DUI, Ali Ahmeti, machte Werbung – hauptsächlich für sich selbst. Denn am 5. Juni finden Wahlen statt.

Monumente, die nationalistisch aufgeladen werden, sind seit Jahren der Renner in Skopje. Auf der einen Seite des Vardar, wo hauptsächlich slawische Mazedonier leben, hat die Regierungspartei die ganze Innenstadt mit Nationalhelden-Statuen vollgestellt. Auf der anderen Seite gibt es für die Albaner bislang "nur" ein Skenderbegh-Monument – und jetzt auch den Adler. Der hat allerdings eine UÇK-Plakette unter seinen Krallen. Die "Nationale Befreiungsarmee" (UÇK) führte im Jahr 2001 einen bewaffneten Aufstand an. Dieser UÇK-Adler ist also extrem nationalistisch aufgeladen.

Sockel für Kreuz demoliert

Die Reaktion auf die "Adler-Einweihung" folgte. Die nationalistisch-slawische Partei VMRO-DPMNE will nun ein Kreuz in der Nähe des Adlers aufstellen, obwohl bereits ein Riesenkreuz, das die Orthodoxie repräsentiert, auf dem Berg oberhalb der Stadt leuchtet. Die allermeisten Albaner in Skopje sind Muslime. Nun haben Anhänger der Albaner-Partei DUI den Sockel für das geplante zweite Kreuz demoliert. Westliche Medien berichteten von drohenden ethnischen Spannungen.

In der banalen Realität geht es aber um Parteitaktik. "Das Spielen mit dem Adler und dem Kreuz ist vor den Wahlen immer wieder ein Thema", sagt der Philologe Izer Maksuti. "Das hat nichts mit ethnischen Spannungen zu tun, sondern damit, dass die zwei Parteien Nationalismus stiften." Die Mehrheit der Bürger würden dieses Spiel aber verstehen. "Das gemeinsame Elend verbindet uns ja", meint Maksuti.

Die Instrumentalisierung des schwarzen Adlers für nationalistisch-albanische Zwecke und als Abgrenzung zu den orthodoxen Mazedoniern ist ohnehin völlig absurd. "Denn der Adler ist nichts anderes als der byzantinische Reichsadler, also ein Symbol der Orthodoxie", wie der Historiker Jens-Oliver Schmitt erklärt. Dieser wurde im Kampf gegen die Osmanen im 15. Jahrhundert verwendet. Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts, vor der Nationalstaatswerdung von Albanien, wurde der Adler als Nationalzeichen für die Albaner reaktiviert.

Nach links und rechts husten

"Eigentlich müssten sich die Mazedonier bedanken, dass die Albaner jetzt orthodoxe Propaganda machen", scherzt Schmitt. Auch in Albanien und im Kosovo werden mehr Adler-Monumente aufgestellt. Manche fragen sich bereits, wo sich die Adler-Fabrik befindet. "Sicher in Elbasan", meinte kürzlich ein Bekannter. "Denn dort ist die Luftverschmutzung so groß, und der Adler ist deshalb doppelköpfig geworden, weil er in Elbasan nach links und nach rechts husten muss." (Adelheid Wölfl, 8.3.2016)

  • 2002 wurde das 67 Meter hohe Kreuz auf dem Hügel über Skopje aufgestellt. Mitte Februar wurde die Adler-Statue "eröffnet".
    foto: ap / boris grdanoski

    2002 wurde das 67 Meter hohe Kreuz auf dem Hügel über Skopje aufgestellt. Mitte Februar wurde die Adler-Statue "eröffnet".

Share if you care.