Das Iditarod im Zeichen des Klimawandels

Ansichtssache7. März 2016, 18:30
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Ein Güterzug musste tonnenweise Schnee anliefern, erst dann konnten die Gespanne am Wochenende das Iditarod auf einem weißen Band in Angriff nehmen. So etwas war in der 43-jährigen Geschichte des berühmten Hundeschlittenrennens durch Alaska noch nicht vorgekommen. Die Etappe in der Metropole Anchorage wurde außerdem von 18 auf fünf Kilometer drastisch verkürzt.

Der Iditarod Trail rekuriert auf ein historisches, über 1.600 Kilometer langes Wegenetz, das den größten US-Bundesstaat durchzieht und für dessen Besiedlung von zentraler Bedeutung war. Endpunkt der Strecke ist das an der Beringsee gelegene Nest Nome.

Um die letzte Jahrhundertwende zogen Tausende über diese Route. Im Sommer 1889 waren drei Abenteurer, die später als die "Drei glücklichen Schweden" Berühmtheit erlangen sollten, am Anvil Creek auf Nuggets gestoßen. Ein Jahr später hatte Nome bereits 10.000 Bewohner, eine Zeltstadt zog sich über eine Länge von 48 Kilometer die Küste entlang. Jeden Tag kamen 1000 neue Glücksritter an.

Nur 18 Jahre später waren die Gegend samt dem Trail bereits drauf und dran, wieder dem Vergessen anheim zu fallen. Der Goldrausch war Geschichte. Dann brach 1925 in Nome eine Diphterie-Epidemie aus und die Hundegespanne lieferten ihr letztes großes Bravourstück. Zwanzig Musher transportierten im sogenannten "Serum Run" überlebenswichigen Impfstoff in nur 127 Stunden über eine Distanz von 674 Meilen in die Stadt.

1973 initiierte Joe Redington Senior das Schlittenrennen. Es ging ihm um die Erhaltung des alten Wegesystems und die Wiederbelebung der Traditionen des Mushing. Selbst Hundeführer, nahm der "Vater des Iditarod" an 17 Ausgaben höchstselbst teil. Ein fünfter Platz war seine beste Platzierung. Benannt ist das Rennen nach seinem ursprünglichen Zielort, einer inzwischen aufgegebenen Goldgräbersiedlung. Mittlerweile hat sich das Iditarod zur wichtigsten Sportveranstaltung in Alaska gemausert und ist selbstverständlich auch das größte Hundeschlittenrennen der Welt.

95 Gespanne haben heuer den etwa 1570 Kilometer langen Parcours nach Nome in Angriff genommen, dessen Einwohnerschaft wieder auf unter 4000 zusammengeschmolzen ist. Der Streckenrekord liegt bei acht Tagen und 13 Stunden. Bereits in den vergangenen beiden Rennen machte den Veranstaltern Schneemangel zu schaffen. Heuer aber setzte der warme und trockene Winter aber noch einmal neue Maßstäbe. "Die Tageshitze wird eine Rolle spielen", meinte ein Musher. Die Hunde könnten sich am Ende einer Etappe nicht wie üblich im Schnee abkühlen. Alaska ist besonders vom Klimawandel betroffen, die Temperaturen steigen doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt. Noch dramatischer verläuft diese Entwicklung im Winter. (Michael Robausch, 7.3. 2016)

(Fotos vom Auftakt in Anchorage und er ersten Etappe in Willow.)

Link:

Idtitarod 2016

Zum Thema:

Barrow, Alaska: Ground Zero for Climate Change

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