"Fear": Wortblicke in die Abgründe

7. März 2016, 17:02
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In Innsbruck spielt man Falk Richters Text von Wutbürgern und Schutzsuchenden

Wenn die Vorstellung zu ihrem Ende gekommen ist, fragt man sich, ob man der Bundeshymne nicht eine weitere Textzeile hinzufügen müsste: Heimat bist du böser Masken! Man war einem Textschwall ausgeliefert, der einem von Ute Heidorn, Carmen Gratl und Johannes Gabl furios dicht entgegengeschleudert wurde. Ein Text, der sich lange jener Vorurteile und Tiraden bedient, die man in einschlägigen Printformaten zu lesen bekommt oder die zum Repertoire Ultrarechter zählen. Der Text Fear von Falk Richter führt zu den – nach Selbsteinschätzung – ewig Zukurzgekommenen, den Wutbürgern und ihrer Angst vor anderen, den Schutzsuchenden.

Er führt zu den Bewohnern Dunkeldeutschlands und – in der Innsbrucker Version des Staatstheaters im Treibhaus – auch zu jenen in Finsterösterreich und lässt sie Heimat reflektieren. Frank Röder inszeniert in tobenden, selten stillen Szenen ein Kaleidoskop der Niedertracht. Esther Frommann steuert eine schrille Ausstattung bei und setzt den Darstellern diese angsteinflößenden Masken auf. Den kongenialen Live-Soundtrack performen Siggi Haider und Juliana Haider, am Ende kehrt doch Ruhe ein. Man erfährt, dass es den Kindern gutgehe. Sie spielen – sie spielen Flucht und Ertrinken. (dns, 7.3.2016)


Treibhaus Innsbruck, bis 22. 4.

www.staatstheater.at

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