Frauentag: Arbeit ohne Geld, Gewalt ohne Folgen

7. März 2016, 17:06
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Zu viel unbezahlte Arbeit, zu geringe Pensionsansprüche und zu viel Gewalt ohne Sanktion – wo die Parteien Handlungsbedarf sehen

Der Internationale Frauentag dient den politischen Parteien dazu, frauenpolitische Positionen zu vermitteln. Die SPÖ fordert, dass die Gesellschaft stärker für häusliche Gewalt sensibilisiert wird. Mit der Verankerung unerwünschter Berührungen im Strafrecht habe Österreich jedoch bereits eine Vorreiterrolle eingenommen, sagte SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm.

27 Stunden Arbeit ohne Geld

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) rief den Frauentag zum "Tag der Partnerschaftlichkeit" aus und präsentierte eine Studie zur Rollenverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Statistisch gesehen arbeiten Frauen laut Karmasin 45,7 Stunden pro Woche – bezahlte Arbeit beläuft sich dabei auf 18,7 Stunden, unbezahlte auf 27 Stunden. Bei Männern sind es insgesamt 41,7 Stunden, wobei die bezahlte Arbeit 30,7 Stunden ausmacht, unbezahlte nur elf. Bis zum Frauentag am 8. März leisteten Frauen somit bereits 40 Stunden Mehrarbeit. Karmasin: "Das ist ein Phänomen, das wir so nicht akzeptieren wollen."

Als Empfehlungen nannte die Ministerin den Ausbau der Kinderbetreuung, gendersensible Elementarpädagogik oder das Pensionssplitting. Sie verwies auch auf die geplante Kindergeldreform zur Förderung der Väterkarenz. Allerdings ist diese Reform noch nicht ausverhandelt, der Beschluss im Ministerrat wird vorerst verschoben.

ÖVP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm erinnert an die Mädchen und Frauen unter den Flüchtlingen, Handlungsbedarf herrsche außerdem bei ungleichen Einkommen.

Carmen Schimanek, Frauensprecherin der FPÖ, warnte vor der Leugnung "offensichtlicher Zusammenhänge" zwischen der Flüchtlingskrise und "tragischen Vorfällen, die sich seit Anfang des Jahres ereignet" hätten und aufgrund derer sich Frauen in Österreich nicht mehr alleine auf die Straße trauen würden.

Gewalt als zentrales Thema

Grünen-Abgeordnete Berivan Aslan betonte ebenfalls, dass Gewalt gegen Frauen als "eines der größten Probleme in unserer Gesellschaft" darstelle. Deren Opfern helfe nicht die "Skandalisierung ihrer Erfahrungen in den Medien", sondern psychologische Betreuung und ein "Rechtssystem, das ihre Erfahrungen ernst nimmt und ahndet".

Die Grünen stellten zudem die soziale Situation der Frauen in den Mittelpunkt. Zwar hätten es Österreichs Töchter mittlerweile in die Bundeshymne geschafft, meinte Frauensprecherin Berivan Aslan, jedoch gebe es noch immer eine große Gruppe "armer Töchter" im Land. Als Problem erweise sich die hohe Teilzeit-Quote. Ingrid Mairhuber von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) referierte einige Zahlen: So arbeiten 74 Prozent der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeitjobs, aber nur sechs Prozent der Männer. Mit unangenehmen Folgen: Frauen verdienen im Schnitt 40 Prozent weniger als Männer. Bei den Pensionsbezügen liegt der Gender-Gap sogar bei 48 Prozent.

Teilzeitfalle

Die durchschnittliche Pension einer Arbeiterin lag zuletzt laut Mairhuber bei 860 Euro, bei Angestellten bei etwas über 1400. Verschärft wird die Situation durch das Pensionskonto, das im Endausbau sämtliche Erwerbsjahre für die Pensionshöhe berücksichtigt. Damit wird beispielsweise Teilzeit noch mehr bestraft, da diese einkommensschwächeren Jahre sich negativ auf die Höhe des Ruhensbezugs auswirken.

Die Gesellschaft müsse hart daran arbeiten, dass die Selbstbestimmung der Frauen zur Selbstverständlichkeit wird, fordert Neos-Frauensprecherin Claudia Gamon: "Seit Frauen für ihre Selbstbestimmung kämpfen, wird an dieser Säule unserer Gesellschaft immer wieder gerüttelt."

Team Stronach-Frauensprecherin Martina Schenk befürwortete die Bewaffnung von Frauen mit Pfefferspray, denn "ein Opfer mit Waffe, ist keins! (sic)". Frauen müssen "raus aus der Opferrolle".

Das Vorsitzteam der ÖH Uni Wien kritisiert den Frauentag an sich, denn "ein Tag im Jahr reicht nicht aus, um Chancengleichheit einzuführen". Man habe gesehen, dass Sexismus auch an der Uni zum Alltag gehörten, sagt Camila Garfias (VSStÖ) vom Vorsitzteam. Die Aktion kritischer Schüler (AKS) machte darauf aufmerksam, dass nur etwas mehr als ein Drittel der Schulsprecher weiblich seien. Schuld daran sei auch die Vermittlung klassischer Rollenbilder in der Schule, sagt Janina Hellwagner, AKS-Bundesfrauensprecherin. (red, 7.3.2016)

  • Frauentagsfahne an der Fassade der SPÖ-Parteizentrale in Wien.
    foto: apa/hans klaus techt

    Frauentagsfahne an der Fassade der SPÖ-Parteizentrale in Wien.

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