Massenschlägerei in Wien: U-Haft für fünf Jugendliche beantragt

7. März 2016, 17:05
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Polizei auf der Suche nach Messern – Motiv noch nicht bekannt

Wien – Zwei Mordversuche, fünf schwere Körperverletzungen, fünf Mal von der Staatsanwaltschaft beantragte U-Haft und eine Anzeige gegen eine Person auf freiem Fuß: Das ist die Zwischenbilanz der Polizei nach einer Massenschlägerei nahe einem Wiener Jugendzentrum mit etwa 50 Beteiligten. Samstagabend hatte laut der Zeugenaussage einer Mitarbeiterin des Jugendtreffs in Brigittenau eine Gruppe afghanischer Jugendlicher eine zahlenmäßig unterlegene Gruppe tschetschenischer Herkunft attackiert.

Mit Messern, Eisenstangen und Holzbrettern sollen die Jugendlichen angegriffen haben. "Zwei der Opfer hatten Stichwunden in der Brust. Hier kann davon ausgegangen werden, dass man wollte, dass sie das nicht überleben", sagt Polizeisprecher Paul Eidenberger zum STANDARD. Fünf weitere Personen erlitten schwere Körperverletzungen. Die Opfer seien mittlerweile alle außer Lebensgefahr.

Verdächtige bestreiten Teilhabe

Die Verdächtigen wiesen in ihrer Einvernahme die Anschuldigungen zurück: Ein Verdächtiger bestritt, in der Nähe des Zentrums Base20 gewesen zu sein, die anderen erklärten, sie seien nicht involviert gewesen, nur Zeugen.

Worum es bei der Schlägerei genau ging, weiß die Polizei derzeit noch nicht – lediglich, dass ihr ein Streit auf Facebook vorangegangen ist. "Was Großartiges kann es aber nicht gewesen sein", sagt Eidenberger. Er gehe davon aus, dass es sich nur um Beleidigungen und Beschimpfungen gedreht hat.

Derzeit ist die Polizei noch auf der Suche nach den Tatwaffen. "Wir suchen in der Umgebung des Handelskais. Es könnte sein, dass die Waffen dort einfach weggeworfen wurden." Auch die Überwachungsvideos der Wiener Linien und ÖBB wurden zum Teil ausgewertet. Einige Leute seien darauf erkannt worden.

SPÖ: "Kein Pardon"

"Es kann kein Pardon für diejenigen geben, die unsere Gesetze missachten", sagt Erich Valentin, SPÖ-Gemeinderatsabgeordneter aus Brigittenau. Er warnt aber vor Pauschalverurteilungen: "Wir haben die Pflicht, denen zu helfen, die vor dem Tod fliehen."

Der "Gewaltexzess" unter den Jugendlichen im Umfeld des Jugendzentrums zeige laut FPÖ, dass "die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Stadt Wien absolut keinen Einfluss auf das Verhalten von jugendlichen Zuwanderergruppen" hätten, heißt es in einer Aussendung des Brigittenauer FPÖ-Bezirksparteiobmann, Gemeinderat Gerhard Haslinger. (Oona Kroisleitner, 7.3.2016)

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