AK: 50.000 neue Jobs durch Umverteilung von Arbeitszeit

7. März 2016, 15:02
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Viele Menschen, die Vollzeit arbeiten, würden gerne zurückstecken, Teilzeitkräfte hingegen aufstocken

Wien – Die Arbeiterkammer hat in einer Studie die Arbeitszeit aufgeschlüsselt: Demnach ist die Arbeitszeit in Österreich sehr unterschiedlich verteilt, entspricht aber oft nicht den Wünschen der Beschäftigten. Viele Vollzeitarbeitskräfte wollen eigentlich kürzer arbeiten, bei Teilzeitarbeitskräften besteht der Wunsch nach mehr Arbeit. Saldiert man die Wunscharbeitszeiten, käme man auf 50.000 Vollzeitjobs.

Bei einer Betrachtung aller Arbeitnehmer ergibt sich eine Durchschnittsarbeitszeit der Österreicher von 35 Stunden und 48 Minuten. Österreich wäre damit unter den zehn EU-Ländern mit der niedrigsten Arbeitszeit. Fasst man nur die geleistete Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten zusammen, kommt man aber auf 41,5 Stunden pro Woche. Damit liegt Österreich am dritten Platz in der EU, nur in Großbritannien und Portugal wird noch länger gearbeitet. Österreichs Arbeitszeitlandschaft ist also gespalten: einerseits sehr lange Vollzeitarbeitszeiten, andererseits arbeiten sehr viele Menschen Teilzeit – besonders Frauen.

Mehr Frauen machen Überstunden

Eine weitere Ursache für die langen Arbeitszeiten sind die häufigen Überstunden. 2014 wurden 269 Millionen Überstunden geleistet, umgerechnet wären dies rund 144.000 Vollzeitarbeitsplätze. Ein Fünftel (21 Prozent) der Überstunden wurde gar nicht bezahlt. Das entspricht umgerechnet einem Ausmaß von 31.000 Vollzeitarbeitsplätzen. Frauen wurde mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) ihrer Überstunden nicht bezahlt, bei Männern sind es 19 Prozent.

Die wöchentliche Überstundendauer jener, die Überstunden leisten, lag 2014 bei 7,6 Wochenstunden. (Männer: 8,1 Stunden, Frauen: 6,6 Stunden). Von den 269 Millionen Überstunden im Jahr 2014 wurden rund 70 Prozent von Männern erbracht, 30 Prozent von Frauen. Vor zehn Jahren betrug dieses Verhältnis noch 74 zu 26 Prozent, der Frauenanteil an den Überstunden ist also gestiegen.

Kaske will umverteilen

In der Studie von Michael Schwendinger wurden die tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten mit den Wunscharbeitszeiten verglichen. Dies ist möglich, da die Statistik Austria im Mikrozensus auch nach der gewünschten Arbeitszeit fragt. Demnach wollen 610.000 Menschen bzw. 17,5 Prozent aller unselbstständig Erwerbstätigen ihre Arbeitszeit verringern. 304.000 Menschen (8,7 Prozent) wollen sie erhöhen. Vollzeitarbeitskräfte wollen durchschnittlich um eine Stunde und 48 Minuten pro Woche kürzer, Teilzeitarbeitskräfte um zwei Stunden und 42 Minuten länger arbeiten. Saldiert man die Arbeitszeitwünsche, ergibt sich ein Wunsch nach einer Arbeitszeitverkürzung im Ausmaß von 50.000 Vollzeitarbeitsplätzen.

Für AK-Präsidenten Rudolf Kaske ist die Studie ein Anlass, die Forderung nach Arbeitszeitumverteilung zu erneuern. Die Unternehmen seien oft zu wenig flexibel, um auf die Arbeitszeitwünsche der Beschäftigten Rücksicht zu nehmen, kritisierte er am Montag bei der Vorstellung der Studie in einer Pressekonferenz. Zum Abbau der vielen Überstunden fordert die AK einen "Überstundeneuro". Keine Einigkeit gibt es offenbar bei der Frage der steuerlichen Begünstigung von Überstunden: Dies sei "eine schwierige Diskussion", die noch nicht abgeschlossen sei. (APA, 7.3.0216)

  • Manche Arbeitnehmer arbeiten für den eigenen Geschmack zu lange, manche zu kurz: Die AK sieht Potenzial für die Schaffung neuer Jobs.
    foto: apa / pfarrhofer

    Manche Arbeitnehmer arbeiten für den eigenen Geschmack zu lange, manche zu kurz: Die AK sieht Potenzial für die Schaffung neuer Jobs.

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