Prostitutionsprozess: Verurteilung nach 19 Jahren

7. März 2016, 15:01
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Eine Frau soll Ende der 90er-Jahre via Inserate acht Slowakinnen geködert und nach Wien zu Zuhältern gebracht haben, ehe sie flüchtete

Wien – Die Justiz ist irdisch und erzeugt kein Mehl – das Bild der langsam mahlenden Mühlen Gottes trifft bei Eva K. also nicht zu. Gleichzeitig verdeutlicht der Prozess gegen die 49-Jährige vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Anna Morak auch, dass der Atem der Strafverfolgungsbehörden ziemlich lang sein kann.

Es geht um grenzüberschreitenden Prostitutionshandel, in den die Unbescholtene in den Jahren 1997 und 1998 verwickelt gewesen sein soll. Sie soll in slowakischen Zeitungen inseriert und mindestens acht Frauen nach Wien gebracht haben, die zwei Zuhälter an Freier vermittelten, die aber nie ein Geld sahen.

Kurz nach dem ersten Verhandlungstermin im Jahr 1998 war K. plötzlich verschwunden, daher gibt es auch keine Verjährung. Vergessen war sie nicht – da sie mit ihrem Lebensgefährten im Burgenland lebt, wurde sie ausgeforscht.

"Es tut mir leid, ich war naiv"

Sie bekennt sich schuldig "Es tut mir leid, ich war naiv", erklärt sie. Sie sei selbst als Tänzerin nach Wien gekommen, ihr damaliger Freund habe sie dann dazu gezwungen, sich zu prostituieren.

Als sie Alexander S. kennenlernte, bot der ihr einen Ausweg an – er drängte sie, die Annoncen, in denen "erotische Arbeit" angeboten wurde, aufzugeben und die Frauen abzuholen.

Sie gesteht auch zu, den Opfern in der Slowakei versprochen zu haben, sie könnten umgerechnet bis zu 3.000 Euro monatlich verdienen. Ihr selbst seien von S. und seinem Komplizen 20 Prozent der Einnahmen versprochen worden. Die Versprechungen waren falsch – Geld sahen nur die Zuhälter.

Sie selbst habe aber nur gedolmetscht und "aufgepasst, dass den Mädchen nichts zustößt". Allerdings sei sie keine Aufpasserin wie bei Gefangenen gewesen, beteuert sie.

9.360 Euro Strafe oder ein Jahr Haft

Bei einer Strafandrohung von ein bis zehn Jahren Haft entscheidet sich der Senat für 720 Tagessätze à 13 Euro, da K. laut ihrer Angabe nur 400 Euro zum Leben hat. Zahlt sie die insgesamt 9.360 Euro nicht, muss sie für die Dauer der Mindeststrafe ins Gefängnis.

"Das Wesentliche ist wirklich ihr langes Wohlverhalten seit der Tat, sie sind weder in der Slowakei noch hier verurteilt worden", gesteht ihr Morak ebenso als Milderungsgrund zu wie das Geständnis und die Unbescholtenheit.

Zur allgemeinen Verblüffung fällt K.s Verteidiger der Vorsitzenden angesichts der milden Strafe nicht dankbar um den Hals, sondern meldet Bedenkzeit an, auch der Staatsanwalt gibt keine Erklärung ab, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, 7.3.2016)

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