Heimische Unternehmen suchen Technikqueens

7. März 2016, 14:34
81 Postings

Mädchen werden gern Frisörin oder Verkäuferin. Zur Technik fühlen sich wenige hingezogen. Mit einem Wettbewerb wollen Unternehmer Begeisterung wecken

Wien – "80 Prozent der Jobs, die in den nächsten Jahren zu vergeben sind, haben mit Technik zu tun", sagt Microsoft-Österreich-Chefin Dorothee Ritz. Was sie auch sagt: "Ich suche Frauen und finde sie nicht." Dabei sei eines klar, ergänzt Alfred Stern, Vorstand beim Kunststoffhersteller Borealis: "Gemischte Teams sind lösungsorientierter und produktiver." Daran zweifelt auch der Gastgeber, OMV-Chef Rainer Seele, nicht, um gleich klarzumachen, dass Theorie und Praxis derzeit weit auseinanderliegen: "Ich muss leider eine unbefriedigende Bilanz ziehen. Bei uns ist der Frauenanteil mit zehn Prozent erschütternd niedrig."

Lieber Friseurin oder Bürokauffrau

Frauen und Technik finden leider immer noch relativ selten zueinander, darüber herrscht an diesem Montag Einigkeit auf dem vorwiegend männlich besetzen Podium. Der Grund des Beisammenseins: Die OMV lobt seit einigen Jahren den Wettbewerb "Österreich sucht die Technikqueens" aus. Eine Online-Challenge, in der technisches und naturwissenschaftliches Wissen unter Beweis gestellt werden müssen. Dass in einem Land wie Österreich, das sich als Innovationsstandort positionieren will, weibliche Lehrstellensuchende immer noch am liebsten Frisörin, Bürokauffrau und Verkäuferin werden, nicht ideal ist, darüber ist man sich auf dem Podium einig. Deswegen wird die Bildungsinitiative mittlerweile auch von Unternehmen wie Siemens, der ÖBB, Borealis oder vom Feuerfesthersteller RHI unterstützt. "Man kann nicht 50 Prozent des Potenzials brachliegen lassen", formuliert es OMV-Chef Seele recht allgemein.

Technische Skills

Warum sich Mädchen weniger gerne technischen Berufen zuwenden? "Sie nützen Snapchat, Facebook und Co, sind also durchaus technikaffin", sagt Microsoft-Chefin Ritz. "Nur für die Mint-Fächer interessieren sich eben mehr Männer." Dass die Begeisterung am besten schon in der Schule geweckt wird, bestätigt der Wiener Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorsky. Wie das geht, Hemmnisse abzubauen? Eine eindeutige Antwort kristallisiert sich auf dem Podium nicht heraus, eher noch mehr Fragen: "Forschen, Fragen, Messen, all das sind technische Skills, die Kinder ohnedies haben. Und dann geht das irgendwie verloren", sagt Czernohorsky. Einig ist man sich, dass Wettbewerbe wie diese durchaus sinnvoll sind, um in der Sache zumindest voranzukommen.

Neu sind die Bemühungen, Frauen in Technikberufe zu bringen, nicht. "Mädchen können mehr, solche Initiativen gab es schon unter Ministerin Johanna Dohnal", sagt Hilde Stockhammer, Leiterin der Abteilung Arbeitsmarktpolitik für Frauen beim AMS Österreich. Auch das Arbeitsmarktservice hat seit zehn Jahren ein Programm, dass unter dem Titel F.I.T Frauen für Technikberufe fit machen soll.

Immer noch Überzeugungsarbeit gefragt

Acht- bis zehntausend Frauen jährlich steigen ein, um sich zu orientieren, vielleicht fehlende Zusatzqualifikationen zu erwerben. Knapp 20 Millionen Euro hat das in den vergangenen fünf Jahren gekostet. Rund 1.000 bis 1.200 Frauen entscheiden sich dann tatsächlich für eine Ausbildung. Für Stockhammer erschütternd: "In den Betrieben braucht es immer noch Überzeugungsarbeit, dass Frauen das auch können."

Die Technikqueens der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es am Können eher weniger mangelt. Karin Kroyer war unter denjenigen, die im vergangenen Jahr mit ihrer Idee zum Thema "Kreislaufwirtschaft auf nationaler Ebene" besonders beeindruckte und dafür Bildungsgutscheine und die Teilnahme an einem Mentorprogramm mit nach Hause nahm. Auf dem Podium zeigte sie sich dann weiblich bescheiden: "Dass es so groß wird, hatte ich nicht gedacht."

Dass auch entsprechende Rahmenbedingungen helfen, zeigt das Beispiel Microsoft. Dort liegt der Frauenanteil bei 30 Prozent, der Anteil der Führungskräfte ist mit 26 Prozent fast ebenso hoch. "Das reicht uns aber noch nicht", sagt Microsoft-Chefin Dorothee Ritz.

Dass die Zahl der Männer und Frauen in der Technik in absehbarer Zeit gleichzieht, sei illusorisch sagt Elsbeth Stern, Lehr- und Lernforscherin an der ETH Zürich. Sprachbegabung zeige sich häufiger bei Frauen und mathematische Begabung häufiger bei Männern. "Allerdings sind die Unterschiede in der Begabung nicht so groß wie in der Berufs- und Ausbildungswahl. Dass aber so viele Mädchen dann am Ende eher im sprachlichen Bereich reüssieren und damit für den technischen Bereich verloren gehen, hat wohl auch damit zu tun, dass man es den Mädchen mit einer entsprechenden Begabungsstruktur zu leicht macht, andere Wege zu gehen, oder sie womöglich sogar dahin schubst." (rebu, 7.3.2016)

  • Frauen und Mädchen in Technikberufe zu bringen, darum bemüht man sich auch hierzulande – und das schon seit Jahren.
    foto: apa/neubauer

    Frauen und Mädchen in Technikberufe zu bringen, darum bemüht man sich auch hierzulande – und das schon seit Jahren.

Share if you care.