Gelb-Causa: Junuzovic rudert zurück

7. März 2016, 21:04
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Bremer habe "nicht gegen Regeln verstoßen wollen" und sei "missverstanden worden" – DFB ermittelt

Frankfurt/Hamburg – Zlatko Junuzovic droht nach seiner absichtlichen gelben Karte und der damit provozierten Sperre eine Strafe. Während der DFB-Kontrollausschuss dem "Verdacht des unsportlichen Verhaltens" nachgeht, diskutiert Fußball-Deutschland über die Konsequenzen des Falles. Über allem steht die Frage: Soll Junuzovic für seine Ehrlichkeit bestraft werden?

DFB-Interimspräsident Rainer Koch forderte mehr Fair Play von den Bundesliga-Klubs beim absichtlichen Kassieren gelber Karten. "Die Frage ist, ob derartige Dinge, die offenbar beginnen einzureißen, überhaupt mit dem Mittel des Kontrollausschusses in den Griff zu bekommen sind", sagte Koch bei Sky 90. "Ich appelliere an die Verantwortlichen der Klubs, dass sie mit den Spieler sprechen, das zu unterlassen."

Ballack zeigt Verständnis

Der deutsche Ex-Nationalspieler Michael Ballack nahm Junuzovic hingegen in Schutz: "Es ist legitim, mal ein Spiel herzuschenken, wenn man weiß, dass man ein wichtiges Heimspiel bevorsteht."

Das Besondere am Fall Junuzovic: Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Clemens Fritz, gegen den nach seiner zehnten Verwarnung wegen Haltens ebenfalls ermittelt wird, gab er die Schummelei nach der Partie zu. "Es ist besser, ich mache es so, als wenn ich jemandem absichtlich weh tue", sagte Junuzovic. Seine fünfte gelbe Karte, sich er in der Partie gegen Hannover 96 (4:1) durch mehrfaches Anlaufen vor einem Freistoß in der 85. Minute abholte, sei abgesprochen gewesen.

Seine Ehrlichkeit könnte Junuzovic nun zum Nachteil gereichen: Neben der kalkulierten Zwangspause bei der anstehenden Partie gegen Bayern München droht ihm wie Fritz eine Sperre des DFB für ein weiteres Spiel. "Ob man den, der das zugibt, gegenüber den anderen bestrafen sollte, ist sicherlich sehr schwierig", sagte Hannover-Trainer Thomas Schaaf im NDR-"Sportclub".

Missverstanden

Am Montag ruderte Junuzovic dann zurück. "Es war nie meine Absicht, gegen Regeln zu verstoßen oder mich unsportlich zu verhalten", erklärte er auf der Bremen-Homepage. Seine Aussagen nach dem Spiel seien missverstanden worden.

Nun sagte er: "Ich war emotional, es war Minuten nach dem Abpfiff. Mir fehlten die richtigen Worte." Er sei "einfach nur froh, dass ich endlich nicht mehr diese Last mit den vier Gelben Karten mit mir herumtragen muss". Dies habe ihn in den vergangenen Wochen gehemmt, und dies sei die "sogenannte Absprache" gewesen, von der er sprach. "Es war nicht vorher besprochen, dass ich gegen den FC Bayern fehlen soll. Es waren weder die Trainer, irgendein Betreuer noch Thomas Eichin irgendwie eingeweiht. Es war einfach eine dumme Aussage."

"Mach' et, Otze!"

Die Causa Junuzovic erinnert an den Fall von Frank "Otze" Ordenewitz im Jahr 1991. Kölns damaliger Trainer Erich Rutemöller forderte seinen Stürmer im Halbfinale des DFB-Pokals mit den Worten "Mach' et, Otze!" dazu auf, eine rote Karte zu kassieren. Seinen Platzverweis, so Rutemöllers kühner Plan, hätte Ordenewitz nach damaligem Recht in der Liga absitzen können, im Finale wäre er trotz eigentlicher Gelbsperre wieder spielberechtigt gewesen.

Doch Rutemöllers List ging nach hinten los: Ordenewitz wurde nachträglich auch für das Endspiel gesperrt, der Coach musste eine Geldstrafe zahlen. Ob es auch im Fall von Junuzovic zu einer nachträglichen Bestrafung kommt, ist nicht abzusehen. Zunächst hat er wie auch Fritz bis Dienstag die Möglichkeit, sich zum Sachverhalt zu äußern.

Felix Magath schrieb in seiner "Express"-Kolumne: "Der Spieler darf nun nicht bestraft werden, weil er naiv und ehrlich ist, indem er sein Motiv dummerweise vor der Kamera ausplaudert. Aber regelkonform ist es halt. Eher sollte man einem Schiedsrichter die Möglichkeit geben, solche gewollten Verwarnungen nicht aussprechen zu müssen."

Vor wenigen Wochen hatten bereits fünf Darmstädter Spieler vor der Partie gegen die Bayern gelbe Karten kassiert – ermittelt wurde nicht, eine nachträgliche Strafe war kein Thema. Leidtragende waren ausgerechnet die Bremer, die eine Woche später gegen die Darmstädter Bestbesetzung antreten mussten. (sid, APA – 7.3.2016)

  • Im Mittelpunkt des Interesses: Zlatko Junuzovic.
    foto: apa/jäger

    Im Mittelpunkt des Interesses: Zlatko Junuzovic.

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