Gehalt, Bildung und Lebenserwartung: Die Kluft zwischen den Geschlechtern

Infografik8. März 2016, 13:52
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Zehn Grafiken über Ungleichheit und Ungerechtigkeit in Politik, Sozialsystem und Kultur

Frauen und Männer werden immer noch nicht gleichbehandelt. Es gibt Unterschiede, nein: Ungerechtigkeiten bei Lohn, Pensionen, der Kindererziehung und der Hausarbeit. Frauen sind öfter Opfer sexueller Gewalt, weniger oft in Parlament und Regierung vertreten, und wenn in der Filmindustrie die Klappe fällt, passiert das nur zu rund 20 Prozent unter Mithilfe von Frauen. Das Verhältnis von Frauen und Männern hat sich grundlegend gewandelt, dennoch bleiben massive Differenzen bestehen. Aus Anlass des Frauentags ein Blick in die Statistik.

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Frauen in der Politik

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Frauen gehören zwar die Hälfte der Stimmen bei Wahlen in der Europäischen Union (eigentlich sogar etwas mehr), sie sind aber im Jahr 2016 nach wie vor unterrepräsentiert in den politischen Vertretungen. Sie stellen 29 Prozent der österreichischen Regierung, 31 Prozent der Parlamentsabgeordneten und 50 Prozent der EU-Abgeordneten. Und Österreich ist da bei weitem kein Einzelfall, sondern liegt damit ziemlich im EU-Durchschnitt. Einzig in Schweden stellen Frauen die Hälfte der Regierung, in Frankreich sind es immerhin 48 Prozent. Dafür gibt es in Griechenland, der Slowakei und Ungarn gar keine Frauen in der Regierung.

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Gender-Pay-Gap

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Einer der größten gesellschaftlichen Unterschiede ist der Lohn, den Frauen und Männer für ihre Arbeit bekommen. Der Bruttojahreslohn unterscheidet sich deutlich, der Unterschied beträgt rund 23 Prozent. Österreich liegt im EU-Schnitt im hinteren Feld. Die Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen: Je weniger Frauen in einem Land arbeiten, desto geringer ist tendenziell auch die Lohnschere. In Italien arbeiten zum Beispiel meist nur gut qualifizierte Frauen. Frauen, die schlechter verdienen würden, sind erst gar nicht auf dem Arbeitsmarkt.

Immer noch verdienen in Österreich Männer im Schnitt rund 10.000 Euro brutto mehr im Jahr als Frauen. Diese Gehaltsschere bleibt annähernd konstant. Gründe für den Unterschied sind neben der Ausbildungssituation der hohe Anteil an Teilzeitarbeit bei Frauen, geringere Aufstiegschancen und Kindererziehungszeiten – aber auch der niedrige Lohn in manchen Branchen, in denen vorwiegend Frauen beschäftigt sind, beispielsweise im Handel.

(Näheres zur unterschiedlichen Bezahlung von Frauen und Männern finden Sie in diesem Artikel.)

Besser sieht das Verhältnis bei den Vollzeitkräften aus, aber auch hier verdienen Männer deutlich mehr als Frauen.

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Unterschiede in der Pension

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Ein niedriger Lohn hat langfristig wirkende Folgen. Vor allem in der Pension setzt sich der Lohnunterschied fort: Frauen haben eine deutlich geringere Pension als Männer; ihnen fehlen Versicherungsjahre, oder sie haben zeit ihres Lebens in schlechter bezahlten Branchen und Positionen gearbeitet als Männer. Aber auch die Kindererziehung trägt zu dem Unterschied bei.

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Väterkarenz und Väterbeteiligung

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Unterschiedlich groß ist in Österreich auch die Beteiligung von Vätern an der Babykarenz. Während in Wien rund 28 Prozent die Möglichkeit wahrnehmen, sind es österreichweit lediglich rund 18 Prozent. Schlusslicht: Vorarlberg.

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Bildungsstand der Frauen

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Die Ausbildungsstruktur in Österreich hat sich in den vergangenen 45 Jahren dramatisch verändert. 1971 hatten 70,4 Prozent der 25- bis 64-jährigen Frauen nur einen Pflichtschulabschluss, bei den Männern waren es 43,4 Prozent. Die Situation im Jahr 2013: 23 Prozent der Frauen und 15,3 Prozent der Männer haben maximal einen Pflichtschulabschluss. Vor allem Lehrabschlüsse und akademische Abschlüsse stiegen bei Frauen stark. Heute beenden mehr Frauen ein Hochschulstudium als Männer. Das Ausbildungsniveau hat sich insgesamt also stark verbessert.

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Lebenserwartung

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Weltweit werden Frauen älter als Männer, in Österreich rund vier Jahre mit in etwa 84 Jahren. Am ältesten werden laut Weltbank Frauen übrigens in Hongkong (87), Japan (87) und Spanien (86), die geringste Lebenserwartung haben sie in Swaziland (48), Lesotho (50) und Sierra Leone (51).

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Film und Medien

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US-Wissenschafter untersuchten im Jahr 2015 eine Vielzahl von Onlineartikeln auf die Nennung von Frauen. Nur 23 Prozent der erwähnten Personen waren Frauen (bei 2,3 Millionen Artikeln in 950 Publikationen). Öfter werden sie jedoch auf Bildern gezeigt, da sind es 30 Prozent. Große Unterschiede gibt es zwischen den Ressorts. In der Unterhaltung beispielsweise werden Frauen öfter erwähnt als im Sport.

Unterrepräsentiert sind Frauen auch in der Filmbranche. Bei den im Jahr 2015 produzierten Filmen war der Anteil der Frauen unterdurchschnittlich. Laut dem Verein FC Gloria Vernetzung Film schwankt die Aufteilung der österreichischen Filmförderungen (insgesamt 55 Millionen pro Jahr) in den letzten zehn Jahren zwischen 20 bis 25 Prozent auf der Frauenseite.

(seb, 8.3.2016)

Wer vorurteilsfrei, aber auch realitätsnah über Vorkommnisse wie etwa die Silvesternacht in Köln nachdenken will, landet in einer komplexen Gemengelage, die Fragen nach Sexismus und Rassismus, aber auch Kulturrelativismus aufwirft. Wie sehen sie aus, die Geschlechterverhältnisse im Jahr 2016?Welche Rolle spielen dabei die sozialen Verhältnisse, welchen Einfluss haben die Religionen und ihre Männer- und Frauenbilder? Wo gilt es, die Errungenschaften der Aufklärung und Emanzipation mit Nachdruck zu verteidigen?

DER STANDARD legt in einer Schwerpunktausgabe, die mit Werken der Künstlerin Nilbar Güres illustriert wird, die Geschlechterverhältnisse unter das journalistische Brennglas und beleuchtet sie aus verschiedensten Perspektiven.

Die Doppelseitige Grafik aus der STANDARD-Schwerpunktausgabe finden Sie hier.

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