Menschenrechtsbeauftragter: Welle von Frauenmorden in Kolumbien

7. März 2016, 10:27
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Allein in Cali starben 2015 88 Frauen durch Gewalt – Regierung will auch Drogenhandel effektiver bekämpfen

Cali/Bogota/Wien – Gewalt und eine teilweise prekäre Sicherheitslage sind Kolumbiens Schattenseiten. Auch wenn die Regierung versucht, die Situation durch starke Militär- und Polizeipräsenz sowie durch soziale Reformmaßnahmen zu verbessern. Nach in lokalen Medien kolportierten offiziellen Angaben fielen alleine im heurigen Jänner in Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens, 14 Frauen Tötungsdelikten zum Opfer.

Andres Santamaria, Chef der staatlichen Ombudsstelle für Menschenrechte der Stadt, weist bereits seit längerer Zeit laufend öffentlich auf die horrende Gewalt gegen Frauen hin, berichtet auch das Internetportal "amerika21.de". Dabei glaubt Santamaria nicht, dass die Lage in seiner Stadt schlimmer ist als im übrigen Kolumbien. Bloß kehre er die Missstände nicht unter den Teppich, wie es andernorts üblich sei, sagte Santamaria zu der in Cali erscheinenden Tageszeitung "El Pais".

Laut den jüngsten Daten wurden im Jahr 2015 in Cali 88 Frauen getötet. Die Polizei führt diese hohe Todesrate auch darauf zurück, dass Frauen oft von illegalen Drogenbanden oder Waffenschiebern erpresst werden, um ihre Söhne zu rekrutieren. Wollen sie diese nicht hergeben, kommt es zu Gewalt. Teilweise seien diese Morde auch als Warnungen an andere Mütter zu verstehen. Oft sind Frauen aus ärmeren Schichten aber auch durch ihre prekären Umstände und die Macht- und Gewaltverhältnisse praktisch gezwungen, sich diesen Banden anzuschließen, um Drogen und Waffen zu transportieren, heißt es seitens der NGO "Casa de la Mujer" ("Haus der Frau").

Überstellung von Strafgefangenen

Auch Frauengefängnisse sind in Kolumbien oft heillos überfüllt. Das bekam auch 2012 eine damals 24 Jahre alte Österreicherin zu spüren, die wegen Drogenbesitzes festgenommen wurde. Sie musste über drei Jahre in einer örtlichen Haftanstalt verbringen. Versuche, sie nach Österreich zurückzuholen, schlugen fehl. Das soll sich nun ändern. Justizminister Wolfgang Brandstetter, der Bundespräsident Heinz Fischer bei seinem Besuch in Kolumbien begleitete, vereinbarte am Donnerstag mit seinem Amtskollegen Yesid Reyes Alvarado die Ausarbeitung eines Abkommens zur Überstellung von Strafgefangenen. Österreich sichert dabei aber zu, dass die Betroffenen in der Heimat nicht straffrei ausgehen.

Ein wichtiger Schritt zu Bekämpfung der Gewalt dürfte mit dem Friedensprozess, den Präsident Juan Manuel Santos mit den marxistischen Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) demnächst abschließen will, gesetzt werden. Damit eng verknüpft ist auch der Drogenhandel, der nun effizienter bekämpft werden soll. Ein wichtiger Plan der Regierung ist dabei, die Bauern am Land zu überzeugen, etwas anderes als Kokapflanzen anzubauen. Die Kokaproduktion ist aber auch deshalb attraktiv, weil diese Pflanzen dreimal pro Jahr geerntet werden können. Im Gegensatz dazu sind Kaffeeplantagen wesentlich mühsamer zu bewirtschaften und finanziell weit weniger attraktiv. (APA, 5.3.2016)

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