Istanbuler Polizei löst Frauendemo mit Gummigeschoßen auf

7. März 2016, 07:58
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Hunderte Frauen protestierten – Auch in Ankara kam es zu Auseinandersetzungen

Istanbul– Die türkische Polizei hat eine Demonstration in Istanbul zum Weltfrauentag gewaltsam aufgelöst. Dabei schossen die Sicherheitskräfte am Sonntag Gummigeschoße in die Menschenmenge im Bezirk Kadikoy. Dort hatten sich hunderte Frauen versammelt, um für mehr Rechte zu demonstrieren.

Die Organisatoren hatten die Kundgebung vor dem Weltfrauentag am Dienstag vorgezogen, um mehr Teilnehmer anzuziehen. Die Behörden hatten die Veranstaltung aber aus Sicherheitsgründen verboten. Auch in der Hauptstadt Ankara kam es bei Frauendemonstrationen zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Zehnmal mehr häusliche Gewalt als in EU

Die konservativ-islamische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan steht nicht nur wegen Fragen der Bürgerrechte und der Meinungs- und Pressefreiheit in der Kritik, sondern auch wegen ihrer Frauenpolitik. Die Gewalt gegen Frauen in der Türkei ist unverändert hoch und der weibliche Anteil in der arbeitenden Bevölkerung gering.

Den Vereinten Nationen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Türkei zu häuslicher Gewalt in der Ehe kommt, zehnmal höher als in Ländern der EU. In einem Gleichberechtigungsindex des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) liegt die Türkei nur auf dem 77. von 138 Plätzen. (APA, 7.3.2016)

  • Die Polizei löste in Istanbul eine Demonstration anlässlich des Frauentags gewaltsam auf.
    foto: afp / ozan kose

    Die Polizei löste in Istanbul eine Demonstration anlässlich des Frauentags gewaltsam auf.

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