ARD-Doku: Russland verstößt gegen Dopingauflagen

6. März 2016, 19:24
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Vorwürfe gegen neue Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur, gesperrte Trainer sollen weiter aktiv sein

Berlin/Moskau – Das angeblich große Aufräumen in der russischen Leichtathletik nach dem Doping- und Betrugsskandal wird durch neue Vorwürfe gegen die Sportweltmacht erschüttert. Die deutsche TV-Dokumentation "Geheimsache Doping: Russlands Täuschungsmanöver" präsentierte am Sonntag in der TV-Sendung "Sport Inside" des WDR Belege für Verstöße von Russlands Leichtathletik gegen Auflagen der IAAF und WADA.

Der selbst in argen Turbulenzen befindliche Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hatte Russland im Zuge des Skandals weltweit suspendiert und mit Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gedroht. In der 30-minütigen Dokumentation werden nicht nur schwere Anschuldigungen gegen die neue Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA), Julia Anzeliowitsch erhoben. Auch über gesperrte Trainer, die in der Provinz weiter arbeiten, und einen Cheftrainer namens Juri Gordejew, der als Doping-Dealer nebenbei Geld verdienen soll, wird berichtet.

Vorab über Tests informiert

Anzeliowitsch soll als einfache Mitarbeiterin der RUSADA für regelwidrige Dopingkontrollen verantwortlich gewesen sein. Geheime Aufzeichnungen von Gesprächen mit einer Sportlerin belegen dies. "Möchten Sie Ihre Dopingprobe nächste Woche abgeben, einverstanden? Wir haben ja genügend Zeit bis Herbst, kein Problem", lautet eine O-Ton von Anzeliowitsch.

"Wenn ein Offizieller absichtlich Athleten vorab über Dopingtests informiert, um das Kontrollsystem zu unterlaufen, müssen disziplinarische Konsequenzen folgen. Das muss untersucht werden, und eine Konsequenz wäre, dass diese Person gefeuert wird", sagte Joseph de Pencier, der Vorsitzende der Internationalen Vereinigung der nationalen Anti-Doping-Organisationen (INADO). Er will Klarheit in Sachen Russland: "Nach dem derzeitigen Kenntnisstand sollten die russischen Leichtathleten nicht zu den Olympischen Spielen zugelassen werden."

Auf die Spur gekommen ist ARD-Filmautor Hajo Seppelt auch dem russischen Trainer Wladimir Mochnew, der im Zuge des Doping-Skandals gesperrt wurde, aber in der zentralrussischen Stadt Gubkin weiter Nachwuchssportler betreut. Er wird sogar in den Protokollen der russischen Wintermeisterschaften offiziell als Betreuer geführt.

"Offensichtlich hat sich die Situation, wie sie von der WADA-Kommission beanstandet worden ist, nicht substanziell geändert", sagte Clemens Prokop, Chef der deutschen Leichtathleten laut ARD-Mitteilung. "Das kann nur bedeuten, dass die Voraussetzung für die Olympia-Teilnahme der russischen Leichtathleten nicht gegeben ist."

Minister weist zurück

Die TV-Doku wird auch die IAAF aufhorchen lassen, dessen Council am Donnerstag und Freitag, über die russische Doping-Affäre in Monte Carlo beraten wird. "Ich weiß, dass der Film ausgestrahlt wird", sagte Russlands Sportminister Witali Mutko schon am Samstag der Nachrichtenagentur TASS. Er sprach von "künstlichen und politisierenden Anschuldigen" und meinte: "Man könnte auf den Gedanken kommen, dass es ein Versuch ist, Einfluss auf die Organisationen zu nehmen, die große Entscheidungen treffen werden."

Belastet wird auch das malaysische IAAF-Councilmitglied Karim Ibrahim. Er soll einer malayischen Trainingsgruppe, die in Bulgarien trainierte, befohlen haben, einen Doping-Test zu missachten. Diesen Vorwurf erhebt Danyal Balagopal, ein hoher Funktionär im Nationalen Olympischen Komitee von Malaysia.

Die IAAF-Führung ist durch die kriminellen Machenschaften des früheren IAAF-Präsidenten Lamine Diack, der in Frankreich wegen Vertuschung von Doping-Proben, Erpressung und Geldwäsche angeklagt ist, in Misskredit geraten.

Zwei vorherige Sendungen des Autors Hajo Seppelt und seines Teams der ARD/WDR-Dopingredaktion hatten im November 2015 dazu beigetragen, dass die IAAF Russlands Leichtathleten auf unbestimmte Zeit von allen internationalen Wettkämpfen ausschloss. Russlands Sportführung gelobte Besserung und versprach grundlegende Reformen. (APA, red, 6.3.2016)

  • Im Zwielicht: Russlands Anti-Doping-Behörde.
    foto: apa/epa/shipenkov

    Im Zwielicht: Russlands Anti-Doping-Behörde.

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