Marcel Hirscher: Der Player mit seinem eigenen Team

Kopf des Tages6. März 2016, 17:27
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Österreichs bester Skifahrer hat sich zum fünften Mal in Folge den Gesamtweltcup gesichert

Marcel Hirscher kann einem fast leidtun. Nicht, weil er ohne Unterlass siegt, sondern weil er die Siege ohne Unterlass kommentieren muss. Die Palette hat mit "lässig", "sehr lässig" und "superlässig" begonnen, heuer ist Hirscher bei "cool", "sehr cool" und "wirklich cool" angekommen. Doch was soll einem, der so oft gewinnt, auch anderes auskommen auf die in Österreich unvermeidliche Frage, was er "dazu" zu sagen hat?

Seit dem Wochenende, da er in Kranjska Gora im Riesenslalom und im Slalom siegte, steht der 27-jährige Salzburger als Gesamtweltcupsieger fest. Zum fünften Mal in Serie. Das ist Rekord. Nur Marc Girardelli lag ebenfalls fünfmal voran, erstmals 1985, letztmals 1993, also sicher nicht in Serie. Hirscher ragt weit heraus, hierzulande wie international. Als sich der Norweger Aksel Lund Svindal in Kitzbühel verletzte, kam ihm der größte Gegner abhanden. Er selbst würde diese Saison nicht seine stärkste nennen. Und doch dominiert er die wintersportlichen Schlagzeilen wie nie zuvor – diesbezüglich fielen mit Anna Fenninger und Gregor Schlierenzauer zwei prominente Mitbewerber aus.

Marcel Hirscher macht seit Jahren alles richtig. Anders als Fenninger hat er sich nicht wirklich mit dem ÖSV angelegt, als es um Sponsorverträge und individuelle Betreuung ging. Vielleicht kam ihm der ÖSV auch mehr entgegen. Oft wird Hirscher als Solokämpfer tituliert, dabei ist er ein Teamplayer. Team meint indes nicht den ÖSV, sondern sein, Hirschers Team. Es umfasst einen exklusiven Trainer (Mike Pircher), einen Medienbetreuer, einen Konditrainer, einen Physiotherapeuten. Auch Atomic stellt etliche Kräfte eigens ab. Viel Halt bekommt Hirscher in der Familie, Vater Ferdinand ist Skilehrer, Mutter Sylvia Skilehrerin. Sein jüngerer Bruder Leon arbeitet für Atomic, seine Freundin Laura, eine Grafikerin und Kommunikationswissenschafterin, reist mit, so oft es geht. Nicht weniger als 518.000 Freunde hat Hirscher auf Facebook.

Soviel Marcel Hirscher hat, einiges geht ihm (noch) ab. ÖSV-Cheftrainer Andreas Puelacher glaubt, dass der Technikspezialist irgendwann auch Abfahrten bestreiten – und gewinnen wird. Natürlich wird bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang, Südkorea, mit Hirscher zu rechnen sein. Ein Olympiatitel fehlt dem viermaligen Weltmeister noch. Aber Marcel Hirscher muss einem deswegen nicht leidtun. (Fritz Neumann, 6.3.2016)

  • Fünf Mal Marcel Hirscher.
    foto: apa/afp/jure makovec

    Fünf Mal Marcel Hirscher.

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