Brexit-Sorgen an Spaniens Sonnenküsten

7. März 2016, 07:00
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Mehr als eine Million Briten leben im Süden Spaniens. Um dieses Geschäft wird bei einem britischen EU-Austritt gebangt

An den Strandpromenaden, in den "Chiringuitos" genannten Strandbars, aber auch in den zahlreichen English und Irish Pubs ist Brexit das Topthema, leben doch mehr als eine Million Auslandsbriten in Spanien.

Viele dieser "Expats" zog es schon vor Dekaden in den Süden. Mehrheitlich sind es Pensionisten, die sich den Lebensabend versüßen wollten. Aber auch junge Briten kamen, um zu bleiben. Ihr Nachwuchs stellt immerhin ein Fünftel der Schulkinder in der Provinz Málaga. Mehrheitlich sehen die Auslandbriten in Spanien freilich nicht gänzlich unopportunistisch die Vorteile des Verbleibs in der EU. Abstimmen dürfen jedoch nur jene, die weniger als 15 Jahre im Ausland leben.

Unsichere Bewilligungen

"Viele Auslandsbürger haben Angst vor den Folgen eines EU-Austritts", ist sich der britische konservative Parlamentsabgeordnete Roger Gale bewusst. Hängen doch nicht nur deren Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen sowie deren Zugang zum britischen wie spanischen Gesundheitssystem in der Schwebe. Ihren Pensionen droht weitere Gefahr durch einen Wertverlust des britischen Pfund.

Die Costa del Sol genannte "Sonnenküste" Málagas, wo sie im Winter milde Temperaturen und so gut wie keinen Regentagen im Jahresmittel vorfinden, haben die Briten längst für sich teilweise kolonialisiert. Zwischen Fuengirola und Estepona, in Torremolinos, Benalmádena oder eben Mijas entwickelte sich eine für ihre Bedürfnisse maßgeschneiderte Infrastruktur: mit Supermärkten, zahllosen Pubs, britischen Bankfilialen, Immobilienmaklern, Anwälten, Steuerberatern, aber auch Pflege- und Betreuungsdienstleistungen.

Selbst die Tageszeitung Sur aus Málaga erscheint in englischsprachiger Druckausgabe. Sie ist in gewisser Weise der mediale Gegenpol zu den stark pro-Brexit situierten Tabloids Daily Mail und Sun.

Lebensabend im sonnigen Süden

Oft stößt man daher auf betagte Engländer, die Jahrzehnte in Spanien leben, ohne die spanische Sprache auch nur ansatzweise erlernt zu haben. Von des Englischen mächtigen Spaniern umgeben und umsorgt, teilweise in abgeschotteten Siedlungen, braucht es ohnehin keine Fremdsprachenkenntnisse.

Als im Brexit-Fall problematisch entpuppt sich der Meldestatus englischer Auslandsbürger in Spanien. Viele Pensionisten optierten für den Süden nur als Zweitwohnsitz. Um der kalten Jahreszeit zu entfliehen und um gemäß der "Halbjahresregel" staatsbürgerliche Vorteile der Heimat, steuerlich wie auch in Sachen Versicherungsschutz im Ausland, zu genießen. So sind nur etwa 380.000 in Spanien auch gemeldet. Zusammen mit 15 Millionen Touristen summieren sich so stattliche 288 Millionen Euro Behandlungskosten jährlich in Spanien, die London nur teilweise zu decken hat. Spanienweit beziehen zudem mehr als 3000 Briten Arbeitslosengelder. (Jan Marot aus Málaga, 7.3.2016)

  • Ds könnten weniger Briten in Spanien leben wollen, wenn es zu einem EU-Austritt Großbritanniens kommt. Als Hauptgrund dafür gelten verschärfte Aufenthaltsbewilligungen und ein eventuell schwächeres Pfund.
    foto: reuters / jon nazca

    Ds könnten weniger Briten in Spanien leben wollen, wenn es zu einem EU-Austritt Großbritanniens kommt. Als Hauptgrund dafür gelten verschärfte Aufenthaltsbewilligungen und ein eventuell schwächeres Pfund.

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