Klage über Iran-Phobie im Finanzsektor

6. März 2016, 12:38
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Der stellvertretende Notenbank-Chef Hamid Tehranfar spricht über zögerliche Geschäfte mit Europas Banken

Teheran – Knapp zwei Monate nach Aufhebung der Atomsanktionen beklagt sich der Iran über nur zögerliche Geschäfte mit europäischen Banken. "Es gibt immer noch eine Iran-Phobie im Finanzsektor", sagte der stellvertretende Notenbank-Chef Hamid Tehranfar am Samstag der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zufolge. Um die Vorbehalte zu überwinden, habe das Land den Internationalen Währungsfonds eingeschaltet.

Der IWF werde Irans Vorschriften überprüfen, um so den Geldhäusern anderer Länder mehr Sicherheit zu vermitteln. Ein Bericht werde 2018 erwartet. Warum dafür zwei Jahre veranschlagt werden, blieb offen.

Nach der Einigung im Atomstreit hatten die Europäische Union (EU) und die USA im Jänner die meisten Sanktionen gegen die Islamische Republik aufgehoben. Europäische Finanzinstitute fürchten jedoch noch immer juristische Probleme, weil einige US-Strafmaßnahmen in Kraft blieben – so das Verbot für US-Banken, direkt oder indirekt mit dem Iran Geschäfte zu machen. Das führt laut Finanzvertretern aus Abu Dhabi in der Realität dazu, dass Abwicklungen in US-Dollar praktisch allen Geldhäusern unmöglich sind. Ein florierendes Bankgeschäft würde jedoch der iranischen Wirtschaft mehr Impulse verleihen, auf die das Land aber auch Unternehmen aus dem Ausland nach Ende der Sanktionen hoffen.

Im vergangenen Jahr war das Wachstum der iranischen Wirtschaft praktisch zum Stillstand gekommen. Dieses Jahr soll sie um mehr als fünf Prozent zulegen, wie Zentralbankchef Valiollah Seif am Samstag in Aussicht stellte. Präsident Hassan Rouhani hat ein Plus von acht Prozent als Ziel ausgegeben, um die Inflation und die Arbeitslosenrate von jeweils mehr als zehn Prozent in Griff zu bekommen. (APA, 6.3.2016)

  • Ein Angestellter in einer Geldwechselstube.
    foto: reuters/raheb homavand

    Ein Angestellter in einer Geldwechselstube.

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