Apples iPad Pro: Bisher kein brauchbarer PC-Ersatz

6. März 2016, 10:48
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Monate nach dem Launch zeigt sich: Anwendungsgebiete des Apple-Tablets in der Arbeitswelt stark beschränkt

Als Apple vor einigen Monaten das iPad Pro erstmals der Öffentlichkeit präsentierte, gab sich das Unternehmen gewohnt überzeugt von der geradezu revolutionären Natur seiner Neuvorstellung. Das iPad Pro werde den PC in vielen Arbeitsbereichen ersetzen, verkündete Firmenchef Tim Cook. In Zukunft würden viele neben dem Smartphone für ihre täglichen Aufgaben nur mehr ein solches Tablet benötigen.

Erste Bilanz

Einige Monate später zieht die New York Times eine erste Bilanz, und diese lautet: Die Vision Apples dürfte wohl noch etwas länger auf sich warten lassen. Selbst bei der Kerngruppe der Apple-Kunden, jenen die im Kreativbereich arbeiten, kann das iPad Pro den PC bisher nicht ersetzen.

Beispielhaft

Eines jener Unternehmen, die rasch zum iPad Pro gegriffen haben, ist Citibank. In dessen Design-Abteilung nutzen mittlerweile 30 der 80 Angestellten das neue Apple-Tablet, bei Nachfrage zeigt sich aber, dass das Einsatzgebiet bisher ziemlich eingeschränkt ist. Vor allem für Meetings und Präsentationen sei das iPad Pro aufgrund seines großen Bildschirms besonders gut geeignet, betont Chefdesigner Stephen Gates.

Zum Teil würden auch Entwürfe mit dem Apple-Tablet erstellt, so habe man etwa mit dem iPad Pro an der neuen App des eigenen Unternehmens gearbeitet. Ansonsten habe sich die Hoffnung, damit den PC abzulösen, bisher nicht erfüllt. Laut Gates liegt dies nicht zuletzt daran, dass schlicht die entsprechenden Apps fehlen. Profi-Tools für das iPad Pro gebe es bisher kaum.

Fehlende Tools, schlechtes Multitasking

Sehr ähnlich klingt das Feedback aus Grafikabteilung der New York Times selbst. Die dort tätige Designerin Jennifer Daniel habe gezielt versucht nur mit dem iPad Pro zu arbeiten – sei aber sehr bald an diesem Unterfangen gescheitert. Das Fehlen von Profi-Tools sieht auch sie als Problem, fügt aber ein grundlegendes Defizit von Apples Betriebssystem hinzu. Sie arbeite oft mit mehreren Programmen gleichzeitig, das Multitasking sei beim iPad Pro aber ziemlich schlecht. In Summe sieht sie das iPad Pro – wie andere Tablets auch – mehr als Gerät zum Konsumieren und nicht für den Arbeitseinsatz, für den es Apple zu positionieren versucht.

Ruhe bewahren

Bei Apple zeigt man sich ob dieser Berichte bislang aber noch wenig beeindruckt. Es sei klar, dass sich die Nutzer zunächst auf jene Funktionalität konzentrieren, die sie mit einem PC so nicht vornehmen können – etwa das Skizzieren mit dem Apple-Stift. Je länger sie das iPad Pro nutzen, desto mehr Arbeitsaufgaben würden auf das Tablet wandern, zeigt sich Apples Vizepräsident für Produkt-Marketing, Michael Tchao, überzeugt.

Neue Produkte

Klar ist jedenfalls, dass Apples Tablet-Sparte einen neuen Umsatzbringer dringend brauchen könnte. Die iPad-Umsätze sind im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent zurückgegangen, an diesem Trend konnte bisher auch das iPad Pro nichts ändern. Apple zeigt sich trotzdem davon überzeugt, dass die Absätze schon bald wieder wachsen werden, frischen Schub sollen hier nicht zuletzt neue Produkte verschaffen. So soll Brancheninsidern zufolge bereits in zwei Wochen eine kleinere Variante des iPad Pro vorgestellt werden, Apple legt seine Wachstumshoffnungen also weiter auf das Tablet als Arbeitsgerät. (red, 6.3.2016)

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    foto: eric risberg / ap
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