Heinisch-Hosek will Einkommensberichte schärfen

6. März 2016, 10:00
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Die Frauenministerin wil bei den Einkommensberichten der Unternehmen ab 150 Mitarbeiter einheitliche Vorlagen

Wien – Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) drängt weiter auf eine Verschärfung der Einkommensberichte. Diese Maßnahme für mehr Einkommenstransparenz sei derzeit "zu global" gehalten. Die Beibehaltung des unterschiedlichen Pensionsantrittsalters von Männern und Frauen bis 2024 hält sie für "goldrichtig".

Die für Unternehmen ab 150 Mitarbeitern verpflichtenden Einkommensberichte seien "zum Teil nicht lesbar". Auch seien die Aussagen zu global. Im Gespräch mit der APA forderte Heinisch-Hosek daher zum einen einheitliche Vorlagen für die Firmen. Zum anderen soll in den Firmen einmal jährlich verpflichtend über die Ergebnisse des Berichts sowie über Frauenförderpläne gesprochen werden. Weiters sollen alle Gehaltsbestandteile aufgeschlüsselt werden, um einen besseren Einblick zu erhalten. "Im Betrieb will ich Einsicht für alle", forderte die Ressortchefin.

Einkommensschere

Die weiterhin klaffende Einkommensschere – laut Eurostat beträgt die Differenz zwischen Männern und Frauen 22,9 Prozent – zeigt für sie, dass bei der tatsächlichen Gleichstellung noch Nachholbedarf besteht. Diesen ortet sie auch bei der Zahl der Chefinnen. "Es tut sich nichts", so Heinisch-Hosek mit Blick auf den jüngsten "Frauen.Management.Report" der Arbeiterkammer (AK). Der Frauenanteil in der Geschäftsführung der 200 umsatzstärksten Unternehmen liegt demnach bei nur 7,2 Prozent. Die Ministerin betonte daher einmal mehr: "Quote wirkt."

Eine Quote wünscht sich die Ressortchefin auch in der Politik. Hierzu hat auch bereits ein Gespräch mit allen Frauensprecherinnen der Parlamentsfraktionen stattgefunden. Vertreterinnen von SPÖ, ÖVP und Grüne kündigten daraufhin an, einen gemeinsamen Antrag für eine Quote ausarbeiten zu wollen. Bis jetzt liegt dieser allerdings noch nicht vor. "Es zieht sich leider wie ein Strudelteig", meinte Heinisch-Hosek.

"Goldrichtig" war ihrer Meinung nach, dass es weiterhin bei der Angleichung des Frauen-Pensionsantrittsalters an jenes der Männer erst ab 2024 bleibt. Was die Unterstützung älterer Frauen im Arbeitsleben betrifft, zeigte sie sich "rundum zufrieden".

Schittenhelm: Keine Besserung durch Einkommensberichte

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm sieht indes in den Einkommensberichten für Unternehmen sowie im Gehaltsrechner keine Verbesserungen. Zwar könne man auch über Sanktionen diskutieren, Schittenhelm pocht aber eher auf positive Anreize. Aufrecht bleibt die Forderung der ÖVP-Frauen nach vier Jahren pensionsbegründender Zeit pro Kind.

Kritik übte die Abgeordnete am verpflichtenden Einkommensbericht für Firmen ab 150 Mitarbeitern und am Gehaltsrechner. Aus ihrer Sicht haben diese beiden Maßnahmen für mehr Einkommenstransparenz "nicht viel Verbesserung gebracht". Bei letzterem handle es sich außerdem um eine teure "populistische Maßnahme", so die Frauenchefin.

Zwar könne man auch über Sanktionen für säumige Firmen diskutieren, Schittenhelm will aber eher auf positive Anreize setzen: "Ich bin eine Gegnerin von Sanktionen." Betriebe sollten motiviert werden, etwa durch Steuererleichterungen. Grundsätzlich betonte sie: "Es kann nicht sein, dass jemand bei gleichwertiger Arbeit schlechter bezahlt wird."

Schittenhelm spricht sich auch für eine einheitliche Ausgangslage aus, denn derzeit gebe es unterschiedliche Zahlen zur Einkommensschere. Erstellt werden sollte viel eher ein einheitlicher Bericht, etwa vom Rechnungshof, so die Frauenchefin.

Eine Forderung der ÖVP-Frauen betrifft auch den Wiedereinstieg. So sollen Karenzzeiten in allen Kollektivverträgen besser angerechnet werden. Aufrecht bleibt auch nach dem Pensionsgipfel die Forderung nach vier Jahren pensionsbegründender Zeit pro Kind. Generell sprach sich Schittenhelm dafür aus, das Pensionssystem komplett neu aufzustellen und sah hier den Koalitionspartner SPÖ gefordert: "Da gehört ein Schnitt gemacht. Tatsache ist, dass es ohne Reform nicht gehen wird." Sie hofft, dass in absehbarer Zeit größere Schritte gesetzt werden können. (APA, 6.3.2015)

  • Heinisch-Hosek ist auch der Anteil der Chefinnen zu niedrig.
    foto: apa/techt

    Heinisch-Hosek ist auch der Anteil der Chefinnen zu niedrig.

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