Sudanesischer Islamistenführer Hassan al-Tourabi ist tot

5. März 2016, 18:43
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Oppositioneller mit 84 Jahren in Khartum gestorben

Khartum – Der sudanesische Islamistenführer Hassan al-Tourabi ist tot. Der 84-Jährige sei am Samstag nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus der Hauptstadt Khartum gestorben, verlautete von Ärzten. Der Politiker, der 1989 zusammen mit dem heutigen Präsidenten Omar al-Bashir in einem Putsch die Regierung übernommen hatte, hatte sich später mit Bashir überworfen und war in die Opposition gewechselt.

Der 1932 geborene islamistische Ideologe, der einst in London studiert und an der Sorbonne in Paris promoviert hatte, war eine treibende Kraft hinter der Einführung des islamischen Gesetzes der Scharia im Sudan im Jahr 1983. Dieser Schritt führte zum Ausbruch eines Bürgerkriegs mit den Christen im Süden, in dem bis zur Beendigung des Konflikts im Jahr 2005 geschätzte zwei Millionen Menschen getötet wurden.

Der Politiker, der neben Arabisch auch fließend Englisch, Französisch und Deutsch sprach, nutzte seine Sprachkenntnisse in Interviews mit internationalen Medien, um für eine islamische Revolution in der Welt zu werben. Nach dem Putsch mit Bashir 1989 galt er lange als die wahre Macht in der Regierung. Auf sein Betreiben hin unternahm die Regierung eine Reihe von Schritten zur Islamisierung von Staat und Gesellschaft.

Zuflucht für Osama bin Laden

In dieser Zeit gewährte der Sudan mehreren prominenten Islamisten Zuflucht, darunter dem Al-Kaida-Führer Osama bin Laden. Dies führte dazu, dass die USA und andere Staaten Sanktionen gegen das Land verhängten. Im Jahr 1999 brach Tourabi aber im Zuge eines Machtkampfs mit al-Bashir und bildete seine eigene Partei. Zuletzt zählte der Islamist zu den schärfsten Kritikern von Bashir.

Seit 1999 wurde Tourabi mehrfach inhaftiert. Nachdem er der Regierung die Fälschung der Wahlen von April 2010 vorgeworfen hatte, wurde er erneut festgenommen. Tourabi war der einzige sudanesische Politiker, der den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshof gegen Bashir wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord in der Provinz Darfur unterstützte. (APA, 5.3.2016)

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