Anadi Bank kündigt Mitarbeiter und blinzelt in die Ferne

5. März 2016, 09:00
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In der früheren Hypo Alpe Adria Österreich verlieren Monat für Monat Mitarbeiter ihre Jobs. Die Bank fährt aus Kapitalgründen ihr Geschäft zurück

Wien – Die Chefs der Austrian Anadi Bank (früher: Hypo Alpe Adria Bank Österreich) haben alle Hände voll zu tun. Auf der einen Seite gilt es, Kapital freizuschaufeln – auf der anderen Seite will man die Bank künftig auch außerhalb Kärntens etablieren, wie Bankchef Christoph Raninger vor kurzem im Wirtschaftsblatt erklärte.

In Sachen Eigenkapital arbeitet man einen mit der Nationalbank ausgearbeiteten Plan ab. Die Bank, die einer britisch-indischen Gruppe rund um Sanjeev Kanoria gehört, arbeitet daran, ihr Eigenkapital zu entlasten. Denn zu einer Kapitalerhöhung sind die Aktionäre nicht bereit, wie es heißt.

Abbau guter Kunden

Also reduzieren die Banker die Assets, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen (RWA). Vom Markt ist zu hören, dass da oft auch die Beziehungen zu langjährigen Kunden mit guter Bonität gekappt werden: Ihre Kreditrahmen werden nicht mehr prolongiert. Das Firmenkundengeschäft soll auf rund 500 Mio. Euro geschmolzen sein. Auch beim Privatkundengeschäft wird gestrichen, ebenso bei den Finanzierungen fürs Land Kärnten (Public Finance).

In der Bank selbst bestätigt man keine Details, räumt aber ein, dass "im Rahmen der strategischen Neuausrichtung die Kapitaleffizienz erhöht und die Ertragskraft gestärkt" werde. 2015 sei "das Risiko-Exposure in allen Geschäftsbereichen (auch Public Finance) optimiert worden". Zwischen Bank und Land bestehe aber "nach wie vor eine ausgewogene Geschäftsbeziehung", betont ein Sprecher des Instituts.

Ferne Ziele

Bankchef Raninger hatte Ende Jänner angekündigt, man werde sich "künftig vielleicht nicht mehr ausschließlich auf Kärnten konzentrieren".

In Kärnten wollten die Banker zunächst Filialen sperren, nun wollen sie aber doch in den großen Bezirksstädten bleiben. Angedacht wird zudem, in Indien und London Fuß zu fassen – "kurzfristig" sei aber an keine Filialeröffnung in London gedacht, bremst der Sprecher der Bank.

Frühwarnsystem nicht aktiviert

Für die 440 Mitarbeiter der Bank mit einer Bilanzsumme von 3,2 Mrd. Euro (beide Zahlen aus dem Jahr 2014) sind es jedenfalls harte Zeiten. 100 Jobs sollen gekappt werden, der Sozialplan steht. Der Mitarbeiterabbau läuft allerdings ohne Anmeldung zur Kündigung im Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice AMS. Denn: Die Kündigungen erfolgen scheibchenweise, Monat für Monat.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Laut Anadi Bank setze man den Sozialplan "schrittweise um, um die bestmögliche Lösung für die Betroffenen zu finden". (Renate Graber, 5.3.2016)

  • Kein frisches Kapital von den Anadi-Eigentümern rund um Aufsichtsrat-Vizechef, Sanjeev Kanoria.
    foto: apa/hochmuth

    Kein frisches Kapital von den Anadi-Eigentümern rund um Aufsichtsrat-Vizechef, Sanjeev Kanoria.

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