Was bisher in der WM-Affäre geschah

4. März 2016, 17:25
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16. Oktober:
Der DFB spricht in einer Pressemitteilung erstmals von einer ungeklärten Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA.

16. Oktober:
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, die WM 2006 sei mutmaßlich gekauft worden. Das Bewerbungskomitee soll eine schwarze Kasse eingerichtet haben, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt haben soll. Der DFB bestreitet die Vorwürfe vehement.

17. Oktober:
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußert sich erstmals auf dfb.de: "Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat."

18. Oktober:
Auch Franz Beckenbauer weist die Korruptions-Vorwürfe zurück: "Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren."

19. Oktober:
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main schaltet sich in die Aufklärungsarbeit ein. Mit einem "Beobachtungsvorgang" soll überprüft werden, ob ein Anfangsverdacht für die Aufnahme von Ermittlungen besteht.

19. Oktober:
Niersbach weist die Korruptionsvorwürfe erneut vehement zurück, sagt aber auch, "dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden".

22. Oktober:
Bei einer Pressekonferenz in Frankfurt hinterlässt Niersbach mehr Fragen als Antworten. Die 6,7 Millionen Euro seien an die FIFA gezahlt worden, um später 170 Millionen zu erhalten. Die FIFA reagiert überrascht.

23. Oktober:
Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge. Vor der WM 2006 habe es "eindeutig eine schwarze Kasse" gegeben: "Es ist klar, dass der heutige DFB-Präsident davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005."

24. Oktober:
DFB-Generalsekretärs Helmut Sandrock kritisiert Zwanziger, dieser hätte den erhobenen Schwarzgeld-Verdacht bereits während dessen Amtszeit ausräumen können. Zwanziger entgegnet, erst 2012 entsprechende Erkenntnisse gewonnen zu haben.

26. Oktober:
Franz Beckenbauer bricht sein Schweigen und bezeichnet den Deal mit der FIFA bezüglich eines WM-Zuschusses als Fehler: "Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung."

27. Oktober:
Ex-Nationalspieler Günter Netzer droht Zwanziger mit einer Klage. Bis zum 30. Oktober soll Zwanziger erklären, künftig nicht mehr zu behaupten, Netzer habe einen Stimmenkauf asiatischer Funktionäre für die WM 2006 bestätigt.

28. Oktober:
Zwanziger sagt gegenüber den externen Ermittlern des DFB aus.

30. Oktober:
Zwanziger lässt die Frist von Netzer verstreichen. Netzers Anwalt kündigt daraufhin eine zeitnahe Klage an.

2. November:
Die WM-Affäre beschäftigt nun auch höchste Stellen im Land. Das Bundeskanzleramt bestätigte Überprüfungen seiner WM-Akten.

3. November:
Die Steuerfahndung Frankfurt startet eine Razzia beim DFB. Auch die Privathäuser von Niersbach, Zwanziger und Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt sind betroffen.

9. November:
Niersbach erklärt nach einer Präsidiumssitzung in Frankfurt/Main seinen Rücktritt. Der 64-Jährige übernimmt die politische Verantwortung "für Ereignisse rund um die WM 2006, wo ich mich persönlich nicht in der Verantwortung fühle und selber sage, ich habe dort absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet".

10. November:
Die DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball bestätigen die Unterschrift von Franz Beckenbauer unter einem Skandal-Dokument, das den versuchten Stimmenkauf vor der WM-Vergabe nahelegt. Als Vertragspartner habe der inzwischen lebenslang gesperrte Jack Warner (Trinidad und Tobago), Ex-Präsident des Verbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), unterzeichnet. Es geht um "diverse Leistungen", die von deutscher Seite zugesagt worden seien.

13. November:
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet vom DFB eine umfassende Aufarbeitung des Skandals.

17. Dezember:
DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel (54) soll den Deutschen Fußball-Bund als neuer Präsident aus der tiefen Krise führen. Darauf verständigten sich die Vorsitzenden der 21 Landesverbände in Hannover.

20. November:
Franz Beckenbauer hat einen Stimmenkauf für die Ausrichtung der WM 2006 vehement bestritten. Den dubiosen Vertragsentwurf mit dem früheren FIFA-Vize Jack Warner vom 2. Juli 2000 habe der OK-Chef blind unterzeichnet.

2. Dezember:
Die Aufarbeitung des Skandals verzögert sich. Bisher hatte die Spitze des DFB immer von Dezember oder Januar 2016 als Termin für die Vorlage des Berichts gesprochen.

11. Dezember:
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter bezeichnet Beckenbauers Darstellungen als "absurd." Beckenbauer hatte Ende November die ominöse Überweisung der WM-Macher von 6,7 Millionen Euro an die FIFA mit fragwürdigen Begleitumständen begründet: Die FIFA-Finanzkommission soll 2002 für einen späteren Organisationszuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) verlangt haben.

12. Dezember:
'In der WM-Affäre will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Abschlussbericht der externen Prüfung der Öffentlichkeit vorlegen. Das kündigte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball am Rande der EM-Auslosung am Samstag in Paris an.

30. Dezember:
Das Landgericht Köln hat den Eingang der Klage von Netzer gegen Zwanziger bestätigt. "Es liegt vor, das Verfahren ist hier anhängig, und hier würde auch verhandelt werden, sollte es dazu kommen", sagt Gerichtssprecher Achim Hengstenberg dem SID.

22. Januar:
Nach der Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt nun auch die US-Bundespolizei FBI in der Affäre um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die US-Justiz, die gegen zahlreiche hohe FIFA-Funktionäre Strafverfahren wegen Korruption führt, will demnach wissen, wo die 6,7 Millionen Euro hingeflossen sind, die 2005 vom damaligen WM-Organisationskomitee an den Weltverband überwiesen wurden.

27. Januar:
Der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans spricht von einem "Hochreck" der Verschleierung. Die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro habe in der Buchhaltung "schlüssig ausgesehen". Den Unterlagen habe man "nicht ansehen" können, dass damit eine offenbar illegale Zahlung verdeckt werden sollte. Hans war angeblich im Archiv des Verbandes auf den Vertrag zwischen Beckenbauer und Warner gestoßen.

28. Januar:
Der DFB gibt bekannt, dass der Abschlussbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields am 4. März veröffentlicht wird.

30. Januar:
Zwanziger nimmt laut Auskunft seines Anwalts Hans-Jörg Metz nochmals Einsicht in ein Schreiben von April 2005. Dieses wird laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung als belastendes Indiz gegen Zwanziger in der WM-Affäre 2006 gewertet.

5. Februar:
Der DFB hält sich in der Affäre um die WM 2006 mögliche Schadenersatzansprüche gegen Beckenbauer, Zwanziger und Niersbach offen. "Der DFB hat die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um eine etwaige Verjährung von Ansprüchen des gemeinnützigen Verbandes zu verhindern", teilte der Verband auf SID-Anfrage mit: "Zur Wahrung der Ansprüche wurden Güteanträge bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle, einer bundesweit zuständigen Gütestelle mit Sitz in Hamburg, eingereicht." Bezüglich möglicher Schadenersatzansprüche trifft der DFB mit der FIFA eine Übereinkunft.

9. Februar:
Der DFB hat dem ehemaligen OK-Vizepräsidenten Fedor Radmann in der WM-Affäre einen Zahlungsbefehl über 6,7 Millionen Euro zugestellt. Radmann bezeichnet die Forderung später als "völlig absurd".

11. Februar:
Die brisante Abmachung zwischen den Machern der WM 2006 und Warner diente der Absicherung von Stimmen unmittelbar vor der Turnier-Vergabe. "Wir wollten verhindern, dass er gegen uns arbeitet. Wir wollten verhindern, dass er andere Wahlmänner beeinflusst, auch noch gegen uns zu stimmen", sagt Radmann dem SID.

26. Februar:
DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock tritt zurück.

26. Februar:
Der Spiegel berichtet über verschwundene Dokumente und Akten aus dem DFB-Archiv. Zudem sollen demnach Fahnder der ermittelnden Staatsanwaltschaft Frankfurt den Verdacht haben, dass im Verband schon geraume Zeit vor Ausbruch der Krise Fakten zu den Hintergründen der ungeklärten Millionen-Zahlung an den Weltverband FIFA vertuscht werden sollten. (sid, 4.3.2016)

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