Saudi-Arabien bestraft Libanon: Was danach kommt ...

Kommentar5. März 2016, 10:00
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Niemand traut Saudi-Arabien zu, einen soliden Plan zu haben

Die Möglichkeit einer Eskalation im Libanon kann einen nicht zuletzt wegen der Konsequenzen auch für Europa das Fürchten lehren. Selbst wenn man ganz gewiss keine Sympathien für die schiitische libanesische Hisbollah hegt, die Teil des politischen Systems des Libanon ist: Dieses System scheint im Moment, verglichen mit einem neuen Konflikt, das geringere Übel zu sein.

Darüber waren sich bis vor kurzem die Kräfte innerhalb und außerhalb des Libanon einig. Saudi-Arabien, mit den arabischen Golfstaaten im Schlepptau, scheint nun diesen Konsens verlassen zu haben und setzt Schritte, die dem Libanon massiv schaden. Die emotionalen Gründe dafür sind nachvollziehbar: Warum soll man einer libanesischen Regierung unter die Arme greifen, die sich im regionalen Konflikt mit dem Iran nicht als Partner deklariert, aus Rücksicht auf die vom Iran gesponserte Hisbollah?

Genau das Prinzip, in regionalen Konflikten keine Stellung zu beziehen, hält jedoch die Reste von politischer Verwaltung, die der Libanon noch hat, aufrecht: Seit zwei Jahren hat das Land keinen Präsidenten, auch die Parlamentswahlen sind überfällig. Saudi-Arabien mag auf dem Standpunkt stehen, dass einer ohnehin unhaltbaren Situation ein Ende gesetzt werden soll. Aber niemand – auch Hisbollah-feindliche Kommentatoren nicht – traut Saudi-Arabien zu, einen soliden Plan dafür zu haben, wie der Libanon stabilisiert werden soll, wenn dieses System zerbricht. (Gudrun Harrer, 5.3.2016)

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