Satirisches Rollenspiel: Der "Mann, der alles hat"

6. März 2016, 15:20
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Freud und Leid berufstätiger Väter oder was sich sonst nur Frauen anhören müssen

Der "Mann, der alles hat" kann sich glücklich schätzen. Er bringt Karriere und Vaterschaft unter einen Hut, hat obendrein noch Zeit für sich selbst, die er auf auf Facebook, Twitter, Tumblr verbringt und wo er anderen Karrierevätern Tipps gibt. Natürlich ist nicht immer alles eitel Wonne. Er rackert sich auch ab, schreibt sich online Leid von der Seele: "Schlaflose Nächte, endlos Wäsche, keine Zeit zu duschen, unendliche Aufgabenlisten, kein Gesellschaftsleben oder keine Erwachsenenkonversation. Willkommen Vaterschaft!"

Er teilt den Kummer der anderen, etwa den des 41-jährigen Andy: "Ich glaube nicht, dass Frauen realisieren, wie viel wir tun. Stellt euch vor, was passieren würde, wenn wir streiken würden und niemand die Hausarbeit für eine Woche macht!" Manchmal stellt er einfach nur Fragen: "Sind Männer zu gefühlsbetont, um sich mit politischen Fragen zu beschäftigen?"

Rollenspiele

Der "Mann, der alles hat" lebt natürlich nicht auf einem anderen Planeten. Der Auftritt ist Satire. Die Online-Persona "Man who has it all" ist nach eigenen Angaben ein berufstätiger Vater von drei Kindern, hat eine tolle Frau und mag Schuhe, vor allem Budapester. Ein Name wird allerdings nicht verraten. Knapp 45.000 Personen gefällt die Facebook-Seite, auf Twitter folgen mehr als 110.000, demnächst soll sogar ein Buch erscheinen.

Das Spiel mit den Geschlechterrollen hält der Gesellschaft auf humorvolle Art den Spiegel vor. Da führt etwa ein Perspektivenwechsel in Genderdebatten die Argumentation, dass Frauen eh "mitgemeint" sind, ad absurdum. Der Mann, der eh alles hat, zitiert dazu nur eine Frau: "Die Bezeichnung Geschäftsfrauen ist völlig gender-neutral. Jeder weiß, dass Männer mitgemeint sind." Und ein Mann sagt: "Ich habe nichts dagegen, als Geschäftsfrau bezeichnet zu werden", immerhin wisse er, dass der Begriff für Frauen und Männer gleichermaßen gelte.

Schönheitstipps

Aber auch Schönheitstipps aus Hochglanzmagazinen wirken grotesker, werden sie an Männer adressiert: "Betont Körperteile, die ihr mögt, zum Beispiel mandelförmige Augen, um von Problemzonen wie dem walnussförmigen Körper abzulenken." Schöner wäre es freilich, wenn einen solche Rollenspiele erst gar nicht zum Schmunzeln brächten. (sb, 6.3.2016)

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