Die Suche nach Frauen auf dem Podium

6. März 2016, 12:00
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Auf Immobilienmessen sind Frauen in der Minderheit

Die Immobilienbranche ist in der Chefetage nach wie vor sehr männlich dominiert. Besonders offensichtlich wird das auf großen Messen: Nur 20 Prozent der bis Ende Jänner registrierten Besucher auf der Mipim, die übernächste Woche in Cannes stattfindet, sind Frauen. Auf den Podien schaut es noch düsterer aus: Nur 14 Prozent der Diskutanten werden in Cannes weiblich sein.

"Wir haben einen weiten Weg vor uns", fasst Sylvia Foissy, die Organisatorin der im Mai in Wien stattfindenden Greet Vienna, die Situation zusammen: "Man sieht auf dem Podium die Spitzen – und da merkt man die starke Vermännlichung der Branche." Ein zweiter Punkt: "Frauen sind im Selbstmarketing nicht so gut", sagt Foissy. Während sie von Männern aktiv angesprochen werde, die bei Diskussionsrunden aufs Podium wollen, würden auch sehr kompetente Frauen oft überrascht oder ablehnend reagieren, wenn sie gefragt werden. "Ich muss Frauen einzeln ansprechen und teils viel Überzeugungsarbeit leisten."

Dabei bemerkt sie aber nationale Unterschiede: In Osteuropa beispielsweise gebe es viel mehr Frauen auf Vorstandsebene, auch auf Messen und Podien seien daher mehr Frauen vertreten. Und gemischte Podien seien allgemein spannender, so Foissy, was auch von Männern so wahrgenommen werde. Denn dadurch würde eher eine gute Diskussion entstehen.

Mehr Frauennetzwerke

"Man merkt in den letzten Jahren, dass Frauen auf dem Vormarsch sind", sagt Claudia Boymanns, die Projektleiterin der Expo Real, die alljährlich im Oktober in München stattfindet. Teilnehmer des Konferenzprogramms würden jedoch nach Qualitäts- und nicht nach Gendergesichtpunkten ausgesucht. Ein Weg hin zu mehr Frauen auf dem Podium könnten internationale Frauennetzwerke sein, sind sich Messeveranstalter einig. Auf der Mipim wird es heuer daher erstmals einen Cocktailempfang für Frauennetzwerke geben.

Den Weg aufs Podium muss am Ende aber jede(r) allein gehen: "Jede Frau ist aufgerufen, zu zeigen, was sie kann", sagt Foissy. "Wir müssen uns mehr in die Auslage stellen." (zof, 6.3.2016)

Schwerpunkt: Geschlechterverhältnisse

Wer vorurteilsfrei, aber auch realitätsnah über Vorkommnisse wie etwa die Silvesternacht in Köln nachdenken will, landet in einer komplexen Gemengelage, die Fragen nach Sexismus und Rassismus, aber auch Kulturrelativismus aufwirft. Wie sehen sie aus, die Geschlechterverhältnisse im Jahr 2016?Welche Rolle spielen dabei die sozialen Verhältnisse, welchen Einfluss haben die Religionen und ihre Männer- und Frauenbilder? Wo gilt es, die Errungenschaften der Aufklärung und Emanzipation mit Nachdruck zu verteidigen?

DER STANDARD legt in einer Schwerpunktausgabe, die mit Werken der Künstlerin Nilbar Güres illustriert wird, die Geschlechterverhältnisse unter das journalistische Brennglas und beleuchtet sie aus verschiedensten Perspektiven.
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