Lebensmittelpreise in Wien deutlich höher als in Berlin

4. März 2016, 14:56
491 Postings

Die Arbeiterkammer kritisiert erneut die Preisunterschiede: Hühnerkeulen sind in Wien sogar um 170 Prozent teurer

Wien/Berlin – Lebensmittel kosten in Wien rund ein Fünftel mehr als in Berlin. Das zeigt ein aktueller Preismonitor der Arbeiterkammer mit 40 Lebensmitteln. Der Wiener Warenkorb, bestehend aus den jeweils preiswertesten erhältlichen Lebensmitteln, ist demnach im Vergleich zum Berliner Warenkorb um 19,4 Prozent teurer. In Nettopreisen gerechnet fällt der Unterschied mit 15,8 Prozent etwas geringer, aber immer noch deutlich aus.

Hühnerkeulen und Schwarztee deutlich teurer

Bei den ausgewählten 40 Produkten wurde in jedem Supermarkt jeweils das Produkt mit dem günstigsten Grundpreis erhoben. Die Preisentwicklung der Lebensmittel-Warenkörbe im Vergleich zu 2015 war leicht negativ: In Wien wurde der Warenkorb um 4,2 Prozent günstiger, in Berlin um 2,9 Prozent.

Besonders große Preisunterschiede gab es bei Hühnerkeulen, die in Wien stattliche 170 Prozent teurer waren als in Berlin, sowie bei Schwarztee mit 106 Prozent. Aber auch Frischmilch, Feinkristallzucker, Mehl, Salatgurken und Mineralwasser schlagen in Wien deutlich stärker zu Buche.

Arbeiterkammer spricht von Österreich-Aufschlag

In Österreich prüfte die Arbeiterkammer die Preise für Lebens- und Reinigungsmittel bei den Supermarktketten Billa, Interspar, Merkur und Spar sowie bei den Diskontern Hofer, Lidl und Penny. Aufgrund des Konkurses von Zielpunkt wurden in Wien nur noch sieben statt wie in Deutschland acht Märkte überprüft. In Berlin wurden die Preise unter anderem bei Aldi, Rewe, Lidl, und Penny erhoben.

Laut Gabriele Zgubic von der Arbeiterkammer zeigen die Vergleiche seit Jahren hohe Preisaufschläge in Österreich, auch bei identischen Lebensmitteln. Die Konsumentenschützerin betont: "Ein Österreich-Aufschlag lässt sich nicht wegleugnen." Die Arbeiterkammer sehe sich in ihrer Kritik auch durch die verhängten Kartellstrafen im Lebensmitteleinzelhandel, bei Molkereien und Getränkeherstellern bestätigt.

Handel: Vergleich "nicht seriös"

In einer Stellungnahme zum AK-Preismonitor bezeichnete der österreichische Handelsverband den Vergleich mit Deutschland als "nicht seriös": Für den Preisunterschied gebe es vielfältige strukturelle Gründe. Den "Österreich-Aufschlag" allein aus Profitzwecken gebe es nicht, vielmehr hätten die höheren österreichischen Preise ihren Ursprung in höheren Lohnnebenkosten und Steuern, der Topografie geschuldeten teureren Transportwegen und einem dichteren Filialnetz.

Der Handelsverband verwies auch auf die bessere Verhandlungsposition der deutschen Händler, die aufgrund der höheren Bevölkerungszahl ein Vielfaches der österreichischen Abnahmemenge und somit niedrigere Preise erzielen könnten. Österreich habe striktere Lebensmittelstandards und einen höheren Bio-Anteil als Deutschland, was sich ebenfalls auf die Preise auswirke. Zudem lasse die Arbeiterkammer in ihrem Vergleich die hohe Anzahl an Rabattaktionen außer Acht, hieß es in der Stellungnahme.

Österreich: Land der Kundenkarten und Rabatte

Tatsächlich werden Preispromotions im österreichischen Warenkorb berücksichtigt, wenn auch nur solche, die nicht an eine Mengenabnahme gebunden sind und für alle Konsumenten gelten. Kundenkartensysteme, die mit 32 Prozent im österreichischen Lebensmittelhandel verbreiteter sind als mit rund 19 Prozent in Deutschland und zu hohen Ersparnissen führen können, sowie Mengenvorteilspreise wurden nicht eingerechnet. (Elena Pramesberger, 4.3.2016)

  • Laut Arbeiterkammer zeigen Vergleiche mit Deutschland seit Jahren hohe Preisaufschläge.
    foto: reuters

    Laut Arbeiterkammer zeigen Vergleiche mit Deutschland seit Jahren hohe Preisaufschläge.

Share if you care.