Glyphosat: Verlängerung der Zulassung steht an

4. März 2016, 14:09
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Eine EU-Beamtenrunde tagt am Montag zu dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel – Grünen fordern Nein Österreichs

Wien – "Landwirtschaftsminister Rupprechter muss auf EU-Ebene ein klares Nein zur geplanten Neuzulassung von Glyphosat aussprechen", fordert Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen, anlässlich der drohenden Zulassungsverlängerung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat am kommenden Montag. Die Ergebnisse der jüngsten Studien, sagt er dem STANDARD, sprächen klar dagegen. Nach dem EU-Vorsorgeprinzip müssten solche neuen Studien in die Bewertung einfließen.

So hat eine Untersuchung der Wiener Universität für Bodenkultur Auswirkungen des Glyphosats auf Regenwürmer ausgemacht. Aktivität und Fortpflanzung der Würmer würden beeinträchtigt. Diese recht neue Erkenntnis ist aber in die Bewertung, auf deren Grundlage jetzt eine Entscheidung zur Wiederzulassung von Glyphosat gefällt werden soll, nicht eingeflossen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnte am Montag oder Dienstag für weitere 15 Jahre grünes Licht für den Einsatz von Glyphosat gegeben werden. Dann könnten die 28 EU-Staaten der Empfehlung folgen. Eine Zustimmung des EU-Parlaments ist nicht nötig.

Rupprechter: "Keine politische Entscheidung"

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), der sich am Freitag in Brüssel befand, ließ dazu ausrichten, dass die Expertenbewertung abgewartet werden müsse und dass dies keine politische Entscheidung sei. Für Österreich wird bei dem Expertengremium ein Vertreter der Agentur für Ernährungssicherheit dabei sein.

Zu Glyphosat gab es in den vergangenen Monaten eine kontroversielle wissenschaftliche Diskussion. Zuerst stufte die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation das Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" ein. Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung jedoch erklärte Glyphosat für nicht krebserregend. Auf dieser Grundlage sprach sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) für eine Zulassung aus.

"Damit verletzt die Efsa ihre Vorsorgepflichten", kritisiert Pirklhuber nun. Er hat die Efsa bei der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf angezeigt und fordert eine Neuuntersuchung für Glyphosat sowie eine Behördenprüfung der Efsa. (Johanna Ruzicka, 4.3.2016)

  • Nicht nur Vögel dezimieren Regenwürmer. Auch der Wirkstoff Glyphosat setzt dem Wurmnachwuchs anscheinend stark zu, zeigt eine Studie der Boku.
    foto: dpa/sauer

    Nicht nur Vögel dezimieren Regenwürmer. Auch der Wirkstoff Glyphosat setzt dem Wurmnachwuchs anscheinend stark zu, zeigt eine Studie der Boku.

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