Friedensgespräche mit Taliban könnten schon am Wochenende beginnen

4. März 2016, 13:52
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Pakistanische Regierung als Schlüsselkraft für Beruhigung der Lage in Afghanistan

Islamabad – Friedensgespräche mit der radikal-islamischen Taliban mit der afghanischen Regierung könnten in den kommenden vier Tagen beginnen. Das sagte Sprecher des Außenministeriums in Kabul, Shekib Mustaghni, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Freitag.

Aus Sicherheitskreisen und dem Außenministerium in Pakistan, wo ebenfalls Taliban aktiv sind, hieß es, sie könnten am Wochenende oder am Montag starten – entweder in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad oder im eine Stunde außerhalb gelegenen Murree.

Keine Bestätigung durch Islamisten

Vonseiten der Taliban gab es aber bisher keine Bestätigung ihrer Teilnahme. Taliban-nahe, pakistanische Quellen sagten, die Aufständischen hätten bei zwei Treffen im pakistanischen Quetta beschlossen, eine Delegation zu schicken. Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der dpa hatte er jüngst gesagt, die bereits erwähnten Vorbedingungen für Friedensgespräche gälten weiter. Dazu zähle die Freilassung Gefangener, die Aufhebung der UNO-Sanktionen gegen die Taliban sowie die Anerkennung eines offiziellen Büros des Islamischen Emirats in Katar.

Ein Erscheinen am Tisch ist daher nicht mit dem Beginn von Friedensgesprächen gleichzusetzen, sagen Experten. Wie im Juli 2015 wäre eine Teilnahme vor allem auf Druck Pakistans zurückzuführen und nicht notwendigerweise auf einen Willen zum Frieden.

Schlüssel in Islamabad

Pakistan gilt als Schlüssel zu erfolgreichen Gesprächen. Dem Land wird vorgeworfen, die Aufständischen zu unterstützen. Seit einem Jahr versucht die Regierung aber verstärkt, die eigenen Taliban zu besiegen. Viele wurden durch Militäroffensiven auf afghanisches Gebiet getrieben, von wo aus sie regelmäßig Angriffe auf Pakistan verüben. Pakistan habe nun ein größeres Interesse an einem stabilen Afghanistan als zuvor, sagen manche.

Als verhüllte Drohung in Richtung der Taliban wird zum Beispiel ausgelegt, was der pakistanische Außenpolitikberater Sartaj Aziz Anfang der Woche im Rechercheinstitut Rat für Außenbeziehungen in Washington sagte. Zum ersten Mal in dieser Offenheit gab er zu, dass Pakistan Einfluss auf die afghanischen Taliban habe. Pakistan könne nutzen, dass die Familien der Taliban in Pakistan lebten und sie dort medizinische Behandlung bekämen, um die Taliban an den Tisch zu bringen, sagte er.

Gespräche könnten "großen Segen" bringen

Dazu hatte der afghanische Verantwortliche für die Initiative, der stellvertretende Außenminister Hekmat Karzai, am Donnerstag zu Medien gesagt, er erwarte "keine Feuerpause nach dem ersten, zweiten oder dritten Treffen". Es wäre aber "ein großer Segen" falls Gespräche zu einer Verringerung der Gewalt führen würden.

Zuletzt hatten Gespräche im Juli 2015 stattgefunden. Kurz vor einer geplanten zweiten Runde war aber von unbekannter Seite die Nachricht lanciert worden, dass der langjährige Taliban-Chef Mullah Omar gestorben war. Das stürzte die Taliban für Monate in einen blutigen Nachfolgekrieg. Ihrer militärischen Schlagkraft schadete das nicht.

Die neue Friedensallianz für Afghanistan bestehend aus Vertretern der Regierungen von Afghanistan, Pakistan, China und USA plant Friedensgespräche angesichts der wachsenden Gewalt im Land. 2015 wurden mehr als 11.000 Zivilisten sowie mehr als 12.000 Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt. (APA, 4.3.2016)

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