Jede dritte Apotheke ist in der Verlustzone

4. März 2016, 13:26
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Das Geschäft läuft schlecht für die heimischen Apotheken. Ihre Interessenvertreter rufen jetzt nach Hilfen durch die öffentliche Hand

Wien – 31 Prozent der rund 1.370 öffentlichen Apotheken in Österreich befanden sich 2015 in der Verlustzone. Dabei ergänzen sich eine schlechte Umsatzrentabilität und eine niedrige Eigenkapitalquote, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz des Österreichischen Apothekerverbandes in Wien. Gefordert werden 15 Millionen Euro von der "öffentlichen Hand" zur Mitfinanzierung der Apotheken-Nachtdienste.

"Zwei Prozent der Apotheken haben eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent und eine Umsatzrentabilität von mehr als zehn Prozent. 19 Prozent der Apotheken haben eine negative Eigenkapitalquote, das negative an der Situation ist, dass auch Verluste erzielt werden", sagte Peter Voithofer, Direktor der KMU-Forschung Österreich. Der Präsident des Verbandes der selbstständigen Apotheker, Christian Müller-Uri, ergänzte: "Die Apotheken in Österreich verdienen aufgrund des Sparzwangs im Gesundheitswesen zu wenig."

Spannen bei Arzneimitteln

Vergangenes Jahr stieg der Kassenumsatz der österreichischen Apotheken zwar um 5,6 Prozent auf 2,62 Mrd. Euro, das wirkte sich aber kaum auf die Ertragssituation aus. Dies liegt an den jährlich sinkenden Spannen bei den auf Kassenrezept verschriebenen Arzneimitteln. Sven Abart, Direktor des Verbandes, stellte dazu fest: "2005 betrug diese Spanne 20,47 Prozent. 2015 waren es nur noch 15,67 Prozent." Durch die festgelegen degressiven Margen – je teurer ein Arzneimittel, desto geringer der Anteil der Apotheker bis zu einem Limit – und durch Sonderrabatte und Refundierungsmodelle für die Krankenkassen hätte die Umsatzsteigerung des vergangenen Jahres kaum etwas bewirkt. 70 Prozent der Umsätze in den Apotheken werden aber mit den Kassenrezepten gemacht.

Andere Branchen in Österreich scheinen KMU-Forschern zufolge deutlich besser abzuschneiden. Abart sagte dazu: "Im Drogeriehandel hat sich die Gesamtspanne zwischen 2003/2004 von 37,5 Prozent auf 40,9 Prozent 2013/2014 erhöht. (...) Für die Apotheken ist sie von 29,6 auf 28,2 Prozent zurückgegangen." Die Umsatzrentabilität der Apotheken sei mit 2,8 Prozent zwar im Durchschnitt noch höher als im Einzelhandel, wo 1,9 Prozent registriert würden, doch auch diese Kurve zeige seit Jahren nach unten.

Öffentliche Hand soll helfen

Müller-Uri führte zu den Negativa an, dass die Apothekerschaft via Sonderrabatte und Finanzierung der Entschuldung der österreichischen Krankenkassen zwischen 2004 und 2008 146,7 Mio. Euro aufgewendet hätten. "Diese Belastung der Apotheken können wir aus heutiger Sicht nicht mehr fortführen." Die entsprechende Vereinbarung lief Ende 2015 aus. Die Apotheker zahlen neuerdings an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) 3,5 Mio. Euro für die Überwachung auf gefälschte Arzneimittel.

Der Apothekerverband wünscht sich finanzielle Erleichterungen durch die öffentliche Hand, vor allem für eine Mitfinanzierung der Nachtdienste: "Jede Nacht haben in Österreich 280 Apotheken Nachtdienst. Das sind im Jahr 100.000 Bereitschaftsdienste (1,8 Millionen Kunden; Anm.). Es kostet uns dieser Service 33 Mio. Euro. Davon zahlen die Apotheken 30 Mio. Euro. Den Rest zahlen die Kunden, einen ganz kleinen Teil die Sozialversicherungsträger. (...) Wir erheben die Forderung, dass die Nachtdienste teilweise von der öffentlichen Hand getragen werden. Die konkrete Forderung beläuft sich auf 15 Mio. Euro." Im benachbarten Ausland würden diese Dienste häufig aus öffentlichen Geldern finanziert. (APA, 4.3.2016)

  • Apotheken in Österreich kämpfen mit ihrem Geschäftsmodell.

    Apotheken in Österreich kämpfen mit ihrem Geschäftsmodell.

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