Beratungsstelle fordert Notwohnungen für Zwangsverheiratete

4. März 2016, 14:34
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Migrantinnen-Beratungsstelle richtet sich an "Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre" und will höhere Tagsätze für Frauen auf der Flucht

Wien/Graz – Für schwangere Frauen auf der Flucht oder für Frauen mit behinderten Kindern sollten erhöhte Tagsätze bei der Unterbringung in Österreich gelten. Dafür sprach sich Christina Kraker-Kölbl von der Beratungsstelle für Migrantinnen Divan in der Steiermark aus. Nötig sei auch eine Notwohnung für von Zwangsheirat Betroffene in dem Bundesland.

Die Caritas Steiermark betreut über 9.000 Flüchtlinge in dem Bundesland. Für Frauen bzw. Frauen mit Kindern gibt es eigene Unterkünfte der Caritas Graz-Seckau mit rund 100 Plätzen. Weibliche Flüchtlinge seien oftmals schwanger oder mit behinderten Kindern unterwegs oder sie mussten Gewalt in der Beziehung erfahren, erklärte Kraker-Kölbl im Gespräch mit der APA.

Sie ist Teamleiterin bei der Beratungsstelle Divan und kritisiert, dass zwar für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und für psychisch Kranke ein erhöhter Tagsatz in der Betreuung gilt, nicht jedoch für Frauen mit besonderen Bedürfnissen. Dies wäre jedoch ebenso gefordert wie mehr Grundversorgungsplätze speziell für weibliche Flüchtlinge, so Kraker-Kölbl.

Hilfe bei Zwangsehe

Die Beratungseinrichtung Divan bietet ein spezialisiertes Angebot für Betroffene von "Gewalt im Namen der Ehre". An die Einrichtung können sich etwa Mädchen und junge Frauen wenden, denen eine Zwangsehe droht oder die aus einer Zwangsehe flüchten wollen. Geboten wird muttersprachliche Beratung in einer akuten Krise oder in einer längerfristigen Begleitung. Im Jahr 2015 befanden sich 140 Klientinnen in Obhut des Divan-Teams. Der Kontakt erfolgt mitunter täglich, schildert Kraker-Kölbl die Intensität der Beratung.

Die Beratungsstelle operiere mit gleichbleibendem Budget und Personal. Gleichzeitig wird jedoch ein steigender Arbeitsaufwand aufgrund der Flüchtlingszahl erwartet. "Wir sind darauf eingestellt, dass es mehr wird beim Thema Zwangsheirat", so Kraker-Kölbl. Mitunter sei es etwa nötig und ausreichend, die Betreuer einer anderen Einrichtung telefonisch zu coachen.

Steigende Nachfrage

Steigende Nachfrage wird auch bei den Workshops zu den Themen Rollenbilder oder Gewalt bemerkt. Kraker-Kölbl ist auch für ein Beratungszentrum für Schwangere tätig und dort sei mittlerweile ein Migrantenanteil von 50 Prozent zu verzeichnen. Sie spricht sich daher grundsätzlich für niederschwellige Angebote aus, denn das kulturelle Verständnis oder die Sprache könne eine Zugangshürde darstellen.

Eine Notwohnung für von Zwangsheirat Bedrohte gebe es in Graz nicht. "Das ist eine Lücke", so Kraker-Kölbl. Derzeit sei man mit dem Land Steiermark im Gespräch, gemeinsam mit dem Frauenhaus eine Not-Wohngemeinschaft für Gewaltbetroffene ab 16 Jahren einzurichten. Die Planungen seien bereits weit fortgeschritten, nur die Budgetierung sei noch offen. (APA, 4.3.2016)

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