Österreich: 2015 brachte weniger Frauen in der Politik

4. März 2016, 14:23
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Die Zahl der Frauen in den Landesregierungen ist im letzten Jahr gesunken – In Oberösterreich regieren nun ausschließlich Männer

Wien – Die Wahlen des Jahres 2015 – drei Landtagswahlen, fünf Gemeinderatswahlen und die Wien-Wahlen – haben die politischen Landschaft in Österreich teils massiv verändert und sich auch auf den Frauenanteil ausgewirkt. Aufgrund der Wahlen in Oberösterreich und Wien ist der Frauenanteil in der Spitzenpolitik gesunken, in Oberösterreich gibt es nun eine rein männlich besetzte Landesregierung.

Die zwei Landtagswahlen im Burgenland und der Steiermark sowie die vier Gemeinderatswahlen in Kärnten, Niederösterreich, der Steiermark und Vorarlberg im ersten Halbjahr 2015 brachten einige strukturelle Änderungen, erklärte Werner Zögernitz (ÖVP), Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen. So wurde etwa die Zahl der steirischen Landtagsabgeordneten von 56 auf 48 verringert, was je zur Hälfte Männer und Frauen betraf. Auch die Zahl der Landesregierungsmitglieder wurde in der Steiermark von neun auf acht reduziert. Als Folge der steirischen Landtagswahl gibt es nun wieder österreichweit zwei Landtagspräsidentinnen – in der Steiermark und Salzburg.

Kärnten und Burgenland als Schlusslichter

In Oberösterreich ist nicht nur keine Frau in einem Regierungsamt, auch die Zahl der weiblichen Landtagsabgeordneten hat sich von 25 auf 20 reduziert (von 44,6 auf 35,7 Prozent). In Wien gibt es statt sechs nun nur mehr fünf Regierungsmitglieder, allerdings hat sich die Zahl der Frauen im Wiener Landtag von 33 auf 36 erhöht (von 33 auf 36 Prozent).

Die Zahl der Frauen in den Landesregierungen (inklusive der nicht amtsführenden Stadträte in Wien) ist von insgesamt 25 auf 22 gesunken. Der Anteil an den 75 Regierungsmitgliedern beträgt somit nur noch 29,3 gegenüber 33,3 Prozent. Der höchste Frauenanteil besteht in Tirol mit 50 Prozent. Österreichweit verringerte sich die Zahl der weiblichen Landtagsabgeordneten gering von 144 auf 141 (32 Prozent). Prozentuell am meisten Frauen sitzen im steirischen Landtag (39,6 Prozent; 19 von 48)), die wenigsten in Kärnten und im Burgenland (jeweils 22,2 Prozent; acht von 36).

Nicht einmal ein Drittel

In der österreichischen Bundesregierung beträgt der Frauenanteil 28,6 Prozent; inklusive Staatssekretären sind es 31,3 Prozent. Im Februar waren 56 der 183 Nationalratsabgeordneten weiblich, das ist ein Anteil von 30,6 Prozent. Zu Beginn der Gesetzgebungsperiode waren es noch 61 Frauen bzw. ein Drittel. Nach einem angekündigten Wechsel in der Grünen Fraktion dürfte sich die Zahl auf 55 verringern. Im Bundesrat beträgt der Frauenanteil 31,1 Prozent (19 von 61).

Im Jänner 2016 amtierten insgesamt 138 Bürgermeisterinnen (6,6 Prozent) gegenüber 141 im ersten Halbjahr 2015. An der Spitze liegt hier Niederösterreich mit 57 der 573 Ortsvorsteher und -vorsteherinnen, das ist ein Frauenanteil von 9,9 Prozent. Abgesehen von Wien ist der Anteil in Salzburg am geringsten; in diesem Bundesland gibt es nur vier Bürgermeisterinnen (3,4 Prozent). Die Gemeinderatswahlen in Tirol am Sonntag dürften die Zahl der Ortschefinnen noch verringern. Zwei Landeshauptstädten – Innsbruck und Klagenfurt – und auch der größten Stadt Vorarlbergs, Dornbirn, steht eine Frau vor.

Europa macht es besser

Geschlechterparität herrscht bei den österreichischen Europaabgeordneten. Nachdem ein EU-Mandatar steirischer Landesrat wurde und ihm im Europaparlament eine Frau folgte, sind nun neun der 18 Mitglieder weiblich. (APA/red, 4.3.2016)

  • Politik als reiner Herrenclub – das ist in Oberösterreich der Fall.
    foto: corn

    Politik als reiner Herrenclub – das ist in Oberösterreich der Fall.

  • Die APA-Grafik zeigt, dass Frauen in der Politik österreichweit unterrepräsentiert sind.
    foto: apa

    Die APA-Grafik zeigt, dass Frauen in der Politik österreichweit unterrepräsentiert sind.

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