Presserat: "Krone" verletzte Ehrenkodex am häufigsten

4. März 2016, 12:49
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Die meisten Beschwerden gab es 2015 zum abgedruckten Foto der toten Flüchtlinge in einem Lastwagen auf der A4

Wien – 44 Verstöße gegen den Ehrenkodex der Presse beanstandet der österreichische Presserat im Jahr 2015. Der überwiegende Teil ging auf das Konto von "Kronen Zeitung" (19), "Österreich" (9) und "Heute" (7) – jenen drei Boulevardmedien, die sich nicht der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen haben. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 kam es zu 35 Verstößen, im Jahr davor 16.

Auf je zwei Abmahnungen brachten es die "Bezirksblätter", "Kurier", "OÖ Nachrichten" und DER STANDARD.

Den Negativrekord an Beschwerden stellte die "Krone" auf rund um das abgedruckte Foto der toten Flüchtlinge in einem Lastwagen auf der A4 im Burgenland. 180 Personen wandten sich an das Selbstkontrollorgan. Es kam zu einer Verurteilung wegen Verletzung der Menschenwürde und postmortaler Persönlichkeitsrechte.

"Steirerkrone"-Kommentar

Heftig kritisiert wurde auch der Kommentar von "Steirerkrone"-Chefredakteur Christoph Biró. Er hatte in einem Kommentar von Vandalismus und Sexualdelikten von Flüchtlingen geschrieben. Die Vorwürfe wurden von den Behörden dementiert. Biró nahm Auszeit, der Presserat erteilte eine Rüge.

"Asyl und Migration hat uns in den letzten Monaten massiv beschäftigt", sagt Komar vom Senat 2 des Presserats. "Wir hatten viele Mitteilungen von allen Seiten des politischen Spektrums, und es ist nicht immer einfach, Grenzfälle in die eine oder andere Seite richtig zu bewerten."

"Profil"-Cover

Das "Profil"-Cover des toten Aylan am Strand in der Nähe von Bodrum diskutierte der Presserat lange, berichtet Komar bei einer Pressekonferenz in Wien. Letztlich sei man zum Schluss gekommen, dass kein Verstoß gegen den Ehrenkodex vorläge. Das Bild sei "nicht sensationslüstern" und stehe "stellvertretend für alle, die ihr Leben aufs Spiel setzen", sagte Komar.

Unsaubere Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung stieß dem Presserat etwa bei "Heute" auf. Drei Interviews von Unternehmenschefs seien direkt neben ganzseitigen Inseraten abgedruckt worden, berichtete Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Presserats: "Die Interviews hätten einem Werbeprospekt entnommen sein können."

Der Trägerverein des Presserats hat seit dieser Woche auch einen neuen turnusmäßigen Vorsitzenden. Wolfgang Pichler vom Manz-Verlag bekleidet das Amt für die nächsten zwei Jahre und löst damit Concordia-Generalsekretärin Astrid Zimmermann ab. (prie, 4.3.2016)

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