Österreich an Spitze der globalisiertesten Länder

4. März 2016, 13:23
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In den Industriestaaten stagniert die Globalisierung, gemessen an Ikea- und McDonald's-Filialen ist Österreich das globalisierteste Land der Welt

Wien – Wie viel Globalisierung Mensch und Planet vertragen, ist noch nicht abschließend geklärt. Dass das Globalisierungstempo zwischen 1990 und 2008 weltweit rasant gestiegen ist, ist bekannt. In diesem Zeitraum stiegen etwa die internationalen Güter- und Kapitalflüsse durch multilaterale Liberalisierungsschritte stärker als die gesamtwirtschaftliche Produktion. "Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat diesen Prozess gestoppt", sagt Florian Hälg, Außenwirtschaftsexperte bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich.

Seit 2008 stagniert der Grad der Verflechtung. Hälg misst im sogenannten Globalisierungsindex anhand ökonomischer, sozialer und politischer Kategorien die Verbreitung und Ausdehnung der Internationalisierung. Der neue Index zu 2013 zeigt, dass ein gewisser Stillstand eingetreten ist. "Der Grad der Globalisierung hat im Vergleich zum Jahr davor nur unwesentlich zugenommen", sagt Hälg. Dass aufgrund der politisch und ökonomisch instabilen Zeiten ein Rückschritt zu erwarten ist, glaubt Hälg nicht: "Vielleicht verläuft die Entwicklung etwas langsamer."

Industriestaaten stagnieren

Grob gesagt stagniert die Globalisierung in den Industriestaaten weiterhin. Gestiegen ist der Index allerdings in Osteuropa, im asiatischen und pazifischen Raum. Österreich bleibt nach den neuesten Erhebungen auf Platz vier. Das am stärksten globalisierte Land der Welt sind die Niederlande, knapp gefolgt von Irland und Belgien. Die ersten vier Plätze sind damit unverändert gegenüber Erhebung im Jahr davor. Wobei die vier Länder laut Hälg so knapp beieinanderliegen, dass die Unterschiede kaum wahrnehmbar sind. Die Schweiz rückte zwei Plätze vor und liegt damit auf Rang fünf, einen Platz vor Singapur, das einen Rang einbüßte. Auf Platz sieben folgt Dänemark, das einen Platz nach vorne rückte, vor Schweden, das um zwei Plätze zurückfiel.

grafik: kof
Im Gesamtranking liegt Österreich auf Platz vier. An der Spitze hat sich nichts verändert.

Die großen Volkswirtschaften der Welt liegen im Ranking weit hinten, was sich daraus erklärt, dass sie es sich aufgrund ihrer schieren Marktgröße erlauben können, sich weniger stark über die Grenzen hinaus zu orientieren. Die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, belegen Platz 34 (minus 1), China liegt auf Platz 73 (–1), Japan auf Platz 48 (+3) und Deutschland auf Platz 27 (–3).

Viel Ikea und McDonald’s in Österreich

Sieht man sich die einzelnen Kategorien genauer an – die ökonomische, soziale und politische Dimension –, ist der Spitzenreiter im Teilindex der ökonomischen Globalisierung 2013 Singapur vor Irland und Luxemburg. Gemessen werden die Stärke grenzüberschreitender Handels-, Investitions- und Einkommensströme in Relation zum Bruttoinlandprodukt und zum anderen der Einfluss von Handels- und Kapitalverkehrsbeschränkungen.

grafik: kof
Am unteren Ende gab es wenig Bewegung. Die am wenigsten globalisierten Staaten sind die Salomonen vor Eritrea, Äquatorialguinea, Mikronesien und Laos. Den größten Abstieg gab es für Mazedonien mit einem Verlust von 19 Plätzen auf Rang 93. Aufsteiger waren Puerto Rico (+47) und Ägypten (+24).

Im weitesten Sinne um wirtschaftlichen und kulturellen Austausch geht es in der Kategorie soziale Dimension. Erfasst werden grenzüberschreitende Informationsflüsse wie Internet, Fernsehen und Zeitungen, aber auch die kulturelle Nähe zum globalen Mainstream anhand der Anzahl von McDonald's- und Ikea-Filialen oder die Exporte und Importe von Büchern in Relation zum BIP. Auch Touristenströme und die Größe der ausländischen Wohnbevölkerung finden sich hier wieder. 2013 stieg die soziale Globalisierung etwas stärker als in den Vorjahren. In dieser Kategorie belegen Österreich, Singapur und die Schweiz die ersten drei Plätze.

Politisches Gewicht

Bei der politischen Integration liegt Österreich auf Platz vier. Gemessen an der geringen Größe des Landes ein beachtlicher Platz, signalisiert er doch auch eine gewisse politische Bedeutung, wie KOF-Forscher Hälg anmerkt. Sie bemisst sich an Kategorien wie Anzahl ausländischer Botschaften in einem Land, Zahl internationaler Organisationen, denen das Land angehört, Zahl der UN-Friedensmissionen, an denen das Land teilnahm, und Anzahl bilateraler und multilateraler Verträge, die seit 1945 abgeschlossen wurden. Italien liegt hier vor Frankreich an der Spitze, Belgien auf Platz drei. (rebu, 4.3.2016)

Wissen: Der KOF-Index

Ein Ziel des KOF-Index ist, die Globalisierung in ihrer gesamten Breite zu erfassen. Verwendet werden 23 Variablen für bis zu 207 Länder. Die Daten stammen aus Quellen wie Weltbank, Internationalem Währungsfonds und UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Aus der komplexen Datengrundlage erklärt sich, dass der Index für das Jahr 2013 errechnet wurde.

  • Die Nähe zum globalen Mainstream bemisst sich an der Anzahl von McDonald's- und Ikea-Filialen. Da ist Österreich ganz vorne.
    foto: standard/nistl

    Die Nähe zum globalen Mainstream bemisst sich an der Anzahl von McDonald's- und Ikea-Filialen. Da ist Österreich ganz vorne.

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