Epic-Gründer ruft zum Kampf gegen Microsoft-Monopol auf

4. März 2016, 13:01
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Tim Sweeney prangert öffentlich geplante Monopolisierung durch neue Universal Windows Platform an

Tim Sweeney, der Gründer des Spielherstellers und Softwareentwicklers Epic Games, ruft in einem offenen Brief zum Kampf gegen ein Microsoft-Monopol im PC-Spielemarkt auf. Laut Sweeney versuche der Konzern mit der neuen Universal Windows Platform (UWP) Windows 10-Programme und -Games vor Drittanbieter-Plattformen wie Steam oder Good old Games abzuschotten. UWP ermöglicht es Entwicklern, Apps für mehrere Windows-Plattformen vom PC zur Spielkonsole gleichzeitig zu kreieren.

"Microsoft hat in Windows 10 eine geschlossene Plattform in einer Plattform entwickelt, als ersten Schritt dafür, das Ökosystem für PC-Konsumenten abzuriegeln und die Distribution und den Handel mit Anwendungen zu monopolisieren", schreibt Sweeney in seinem Kommentar für The Guardian.

Abschottung

"Meiner Ansicht nach ist das der aggressivste Versuch, den Microsoft je unternommen hat. Sie bewegen sich gegen die gesamte PC-Industrie – inklusive Konsumenten und Spieler im Speziellen, Software-Entwickler, Publisher und Distributoren", so der Entwickler, der seit Jahrzehnten mit Microsoft an verschiedenen Projekten zusammenarbeitet. So stellt Epic nicht nur die populäre Spielentwicklungssoftware Unreal Engine her, sondern produzierte unter anderem exklusiv für Microsofts Xbox 360 die Shooter-Serie "Gears of War".

Sweeney glaubt, dass Windows 10 entwickelt wurde, um Microsofts Windows Store zu bevorteilen und jene zu benachteiligen, die ihre Spiele auf anderen Marktplattformen vertreiben wollen.

Monopol befürchtet

Dabei habe Epic in den vergangenen 18 Monaten intensive Gespräche geführt, um diese Situation zu verhindern. Sweeney zufolge habe man sich die Bedenken auch geduldig angehört, jedoch schlussendlich nicht erhört. "Ich habe gehofft und geglaubt, dass Microsoft das Richtige machen wird, aber nun sind wir hier angekommen. Microsofts Consumer-Launch und PR um UWP ist in vollem Gange und diese Seite der Geschichte muss erzählt werden. Microsofts Absichten müssen anhand Microsofts Aktionen und nicht anhand Microsofts Worte beurteilt werden. Und ihre Aktionen sprechen für sich: Sie arbeiten daran, dass heutige (offene) PC-Ökosystem mit der Zeit in ein geschlossenes System, eine Microsoft-kontrollierte Distribution und Handelsmonopol zu verwandeln und wir sehen jetzt den aller ersten Schritt in diese Richtung", warnt Sweeney.

Öffnung verlangt

Der Entwickler fordert Microsoft dazu auf, UWP-Anwendung zu öffnen, damit sie wie jede Windows-Applikation (.exe) frei installiert werden kann. UWP-Inhalte müssten auch außerhalb Microsofts eigener Kanäle angeboten werden können. Sollte dies nicht geschehen "kann, soll und muss UWP aufgrund des Industrie-Backlash sterben."

Es ist dabei nicht das erste Mal, dass Microsoft wegen der einer möglichen Monopolisierung durch den Windows Store in Kritik gerät. Unter anderem warnte Valve-Gründer Gabe Newell bereits zu Windows 8-Zeiten vor einem derartigen Vorhaben Microsofts.

Stellungnahme von Microsoft

In einer aktuellen Stellungnahme widerspricht Kevin Gallo, Corporate Vice President für Windows, den Vorwürfen. "UWP ist ein komplett offenes Ökosystem, verfügbar für jeden Entwickler und kann von jedem Store unterstützt werden", sagt Gallo. Ihm zufolge wolle man mit Windows jede Technologie unterstützen und Entwicklern helfen, bestehende Software-Codes mit UWP-Funktionen auszustatten. "Mit Xamarin können UWP-Entwickler nicht nur alle Windows 10-Geräte beliefern, sondern auch einen großen Teil ihres C#-Codes nutzen, um komplett native Anwendungen für iOS und Android zu erstellen." (zw, 4.3.2016)

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    foto: gears of war judgement
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