Bregenzerwälder Gemeinde Egg bleibt bürgermeisterlos

4. März 2016, 12:07
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Vorgesehene Kandidatin Carmen Willi sagte am Tag der Wahl ab

Egg – Die Groteske um die Bürgermeisternachfolge in der Bregenzerwälder Gemeinde Egg geht weiter. Der mit über 3.500 Einwohnern größte Ort im Bregenzerwald ist seit über vier Wochen ohne Gemeindeoberhaupt. Anfang der Woche wurde die karenzierte Lehrerin Carmen Willi als neue Bürgermeisterin vorgestellt. Am Freitag – dem Tag der vorgesehenen Wahl – sagte die 35-Jährige jedoch ab.

In einer auf der Website des ORF Vorarlberg veröffentlichten Presseaussendung teilte Willi mit, dass sie ihre Kandidatur aus persönlichen Gründen zurückziehen müsse. "Einige anonyme und auch mediale Angriffe, die ich inhaltlich völlig zurückweise, haben mich derart verletzt, dass ich mich nicht mehr in der Lage sehe, Familie und Bürgermeisteramt auf gute Art und Weise zu vereinbaren", schrieb die dreifache Mutter. Ihr sei bewusst, mit ihrer Entscheidung auch viele zu enttäuschen, allerdings sei sie überzeugt, auch in anderer Funktion Wertvolles für die Gemeinde leisten zu können.

Willi ist Mitglied der Gemeindevertretung, in der die "Egger und Großdorfer Liste" 23 von 24 Sitzen einnimmt und von der sie als neue Bürgermeisterin nominiert wurde. Sie hätte die Nachfolge von Theresia Handler (Egger und Großdorfer Liste) antreten sollen, die drei Jahre lang die Geschicke des Ortes leitete und am 1. Februar ihr Amt zurückgelegt hatte. Weil Egg bereits länger als vier Wochen keinen Bürgermeister mehr hat, steht es unter Beobachtung der Bezirkshauptmannschaft Bregenz. Denn laut Gemeindewahlrecht müsste binnen vier Wochen nach dem Rücktritt oder Tod eines Bürgermeisters ein neues Oberhaupt gewählt werden.

Unstimmigkeiten mit Gemeinderat

Der Bregenzer Bezirkshauptmann Elmar Zech hatte – vor der Nennung von Willi als Kandidatin – damit leben können, dass die Nachfolge noch nicht geregelt war. Zwar müssten Fristen grundsätzlich eingehalten werden, es gebe aber realpolitische Umstände, die die Einhaltung der Frist auf Punkt und Beistrich unmöglich machten. Der Fraktionsvorsitzende der Egger und Großdorfer Liste, Paul Sutterlüty, habe in Aussicht gestellt, dass es bis spätestens 31. März einen Nachfolger für Handler geben werde, sagte Zech damals. Außerdem sei die Gemeinde nach wie vor handlungsfähig. Sollte es mit der Besetzung des Bürgermeistersessels weiter nicht klappen, könnte die Bezirkshauptmannschaft in letzter Konsequenz die Gemeindevertretung auflösen und einen Amtsverwalter einsetzen. Neuwahlen wären dann die Folge.

Handlers Abgang Anfang Februar waren wiederholt Unstimmigkeiten zwischen der Bürgermeisterin und dem Gemeindevorstand vorausgegangen. Auch die Beiziehung eines Mediators hatte diesbezüglich nichts geändert, hatte die Gemeinde-Chefin in ihrer Rücktrittserklärung geschrieben. Im Dezember hätten Mitglieder des dreiköpfigen Gemeindevorstands ihr das Vertrauen entzogen und sie sei fraktionsintern zum Rücktritt aufgefordert worden. In einem Gespräch mit dem Rundfunk sprach Handler von einer "fehlenden Kultur der guten Kommunikation". Bei den Gemeindevertretungswahlen im März 2015 war die 57-Jährige noch mit großer Mehrheit in ihrem Amt bestätigt worden. (APA, 4.3.2016)

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