Mut zur Vulgarität!

Kolumne4. März 2016, 17:00
15 Postings

Mehr Erfolgsrezepte für die Präsidentenwahl

Herzlich willkommen in den ordinären neuen Zeiten. Früher, als es noch nobler zuging, gelüstete es das Wahlvolk nach ordentlich gekämmten Präsidentschaftskandidaten, die sich einer zurückhaltenden Sprache befleißigten. Dieser Typus ist spätestens seit vergangenem Superdienstag ein Auslaufmodell.

2016 heißt es: Trump ist Trumpf. Das soignierte Weichei in der politischen Führungsposition ist passé. Der Wähler begehrt nach finanzkräftigen Rüpeln mit stark zivilisationsfernem Einschlag, nach Steinzeitpolitikern, bei denen man sich nicht wundern würde, wenn sie ihren Durst abwechselnd aus der Veuve-Clicquot-Magnum und der Klomuschel stillen. So gesehen war der dauergamprige italienische Prolomilliardär Silvio Berlusconi mit seiner Flittchenarmada nur Vorbote eines vielversprechenden politischen Trends.

Hat man den Trend auch in Österreich begriffen? Leider drängt sich vor den Präsidentschaftswahlen der Verdacht auf, dass, mit Ausnahme des alten Lugner natürlich, die Kandidaten die politische Anziehungskraft der Vulgarität nicht genügend nutzen. Unsere Leut' sind einfach zu fein und gebildet. Griss hat Jus studiert, Hofer ist ein veritabler Ingenieur. Und den Universitätsprofessoren Khol und Van der Bellen sollte eigentlich schwanen, dass das Volk keinen Ordinarius, sondern einen Ordinärius zum Präsidenten will.

Wahlkampfmanager, die ihr Handwerk verstehen, werden ihren Kandidaten also schnell beibringen, dass noch Luft nach unten ist. Als äußeres Zeichen, dass man verstanden hat, woher der Wind weht, wäre zunächst ein Wechsel des Vornamens ratsam: Donald Khol, Donald Van der Bellen, Donald Hofer (bei Frau Griss funktioniert das nicht, aber sie kann sich ja ersatzhalber in "Daisy" umtaufen).

In einem zweiten Schritt heißt es dann "Freie Bahn der Vulgarität!". Khol lässt sich ein fesches Peckerl stechen (vielleicht "Love" und "Hate" auf den Fingerknöcheln?). Van der Bellen punktet bei den Wählern, indem er sich – "einen Moment noch" – bei der Elefantenrunde ostentativ das Gemächt richtet. Griss prostet den Fernsehzuschauern mit einer Flasche Jägermeister zu ("Auf den Hypo-Ausschuss!"), und Hofer hat den Vorteil, dass er eh schon bei der FPÖ ist. Mehr Mut zum Ordinären: Das wär' ein Wahlkampf, auf den sich der Wähler zur Abwechslung von Herzen freuen könnte. (Christoph Winder, Album, 4.3.2016)

Share if you care.