Van der Bellen und Lugner: Satireaccounts sorgen für Verwirrung

4. März 2016, 12:18
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Auf die Fake-Accounts sind bereits Wahlkampfberater und Abgeordnete hereingefallen

Im Hofburg-Wahlkampf wird wenig unversucht gelassen, Kandidaten durch den Kakao zu ziehen. Was mit dem Wegschnappen von Domains wie hundstorfer2016.at begann, findet nun mit Satireaccounts auf Twitter seine logische Fortsetzung. Dort sorgen etwa ein falscher "Van der Bellen" und eine Cathy-Lugner-Parodie für Aufregung. "Wie ein Phönix aus dem Aschenbecher", schreibt der unter @president_vdb registrierte Account in seiner Twitter-Biografie – dennoch sind zahlreiche andere Nutzer auf ihn hereingefallen.

Lugner-Berater in Turbulenzen

So versuchte der ehemals zur ÖVP gehörende Nationalratsabgeordnete Marcus Franz, auf Twitter eine Diskussion mit dem falschen Van der Bellen anzufangen. Auch für Buchautor und Journalist Peter Rabl klang der Satireaccount "in Tweet-Austausch vor 1 Woche authentisch".

Lugner-Berater Peter Czak, der erst seit wenigen Tagen auf Twitter aktiv ist, hatte gleich mehrere Turbulenzen mit den falschen Accounts. So zeigte er sich auf Anfrage des falschen Van der Bellen für eine gleichzeitige Beratung von dessen Kandidatur offen. Das wurde auch in E-Mails, die dem STANDARD vorliegen, noch weitergeführt.

Nach Enttarnung Angebot zurückgezogen

Auf Anfrage des STANDARD gibt Czak an, nicht exklusiv für Lugner zu arbeiten. Er halte sich im Hintergrund und habe auch schon Klienten von FPÖ und ÖVP gehabt. Auch den Grünen soll er früher aktiv Angebote unterbreitet haben. Er überlege nun, Lugner im Wahlkampf als Alternative gegen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer zu positionieren. Nachdem er @president_vdb als Satireaccount erkannt hatte, zog Czak sein Angebot wieder zurück.

foto: screenshot

Gleichzeitig fiel Czak auch auf eine Parodie auf Lugner-Ehefrau Cathy herein, die unter @firstlady4aut firmierte. So antwortete er dem Satireaccount, der ihn angeschrieben hatte, dass "Richard gestern OK" gewesen wäre. Wenig später wurde der Fake-Account bei Twitter gemeldet, was eine Sperre zur Folge hatte: Denn die Parodie soll sich nicht deutlich genug als Satire zu erkennen gegeben haben.

Getümmel auf Twitter

Während die Van-der-Bellen-Kampagne sich mit dem offiziellen Account vom Satireprofil distanzierte, setzte Lugner also gleich drastische Schritte. Der Betreiber zeigt sich nun enttäuscht vom fehlenden Humor des Baulöwen und sind nun Betreiber unter dem Namen "Nicht Cathy" und @firstladyaut wieder aktiv.

Mittlerweile haben sie Gesellschaft des echten Richard Lugner bekommen: Der hat am Freitag seinen ersten Tweet abgesetzt – sofern er echt ist. (red, 4.3.2016)

  • Der echte Van der Bellen distanzierte sich zwar, unterließ aber rechtliche Schritte gegen die Parodie.
    foto: reuters/bader

    Der echte Van der Bellen distanzierte sich zwar, unterließ aber rechtliche Schritte gegen die Parodie.

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