Wohin die Milliarden im Bildungssystem fließen

Infografik4. März 2016, 10:05
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Österreich hat 2014 rund 18,2 Milliarden Euro für sein Bildungssystem springen lassen. Besonders bei Kindergärten und Universitäten sind die Ausgaben gestiegen

Wien – Österreichs Bildungsausgaben sind seit Beginn des Jahrtausends um 64 Prozent von 11,1 Milliarden auf 18,2 Milliarden Euro gestiegen. Damit wachsen die Bildungsausgaben weiterhin stärker als die Wirtschaftsleistung. Diese Entwicklung hält seit 2009 an, wie neue Zahlen der Statistik Austria zeigen.

Im selben Zeitraum lag die Teuerungsrate bei 32,8 Prozent (Statistik Austria). Nicht alle Bildungseinrichtungen profitieren von diesem Anstieg in gleichem Maß. Relativ gesehen gibt es große Unterschiede: So hat sich das Budget für Kindergärten und Universitäten seit 2000 verdoppelt, während die Ausgaben für den Pflichtschulsektor nur knapp über der Inflationsrate stiegen.

Das mag auch daran liegen, dass der Pflichtschulbereich mit 5,9 Milliarden Euro der größte Budgetposten in den Bildungsausgaben ist. Andererseits sind die Zahlungen des Bundes für die Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen) von zwei Milliarden (2000) auf 3,9 Milliarden Euro gestiegen. Davon gingen 3,2 Milliarden Euro in den Universitätsbereich. Unter dem Titel der "Universitätsmilliarde" hat das Finanzministerium den Unis im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Der Anstieg der Mittel im Pflichtschulsektor ist auf den Ausbau der Neuen Mittelschulen zurückzuführen.

Lehrerzahl konstant, Schülerzahl sinkt leicht

Damit diese Zahlen besser einzuordnen sind, lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der Schüler-, Studenten-, Lehrer- und Klassenzahl in Österreich:

  • In den vergangenen 15 Jahren hält sich die Zahl der Lehrer in allen Schulen konstant bei etwa 125.000.
  • Im selben Zeitraum ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen und privaten Schulen um 8,3 Prozent gesunken.
  • Die Zahl der Studierenden ist hingegen um 21 Prozent gestiegen.
  • Im Schuljahr 2014/15 gab es geringfügig weniger Klassen als im Schuljahr 2000/01 (-1,3 Prozent).

Der Großteil der Ausgaben entfällt auf das Personal. Sechs von zehn Euro werden für Gehälter aufgewendet, im Jahr 2014 waren das 11,2 Milliarden Euro. Sachaufwände schlugen mit vier Milliarden und Transfers mit knapp zwei Milliarden Euro zu Buche. 796 Millionen Euro wurden investiert. Diese Kostenstruktur hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert.

Zu den Schülern und Studenten: Wegen des höheren Personalbedarfs ist der Mitteleinsatz pro Kopf in Sonderschulen entsprechend höher. Der Finanzaufwand pro HAK- oder Berufsschüler ist höher als für einen Studenten an der Universität.

Wie werden sich die Kosten in den nächsten Jahren entwickeln?

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat der Bildungsreform nur zugestimmt, weil sie keine neuen Kosten verursachen soll. Abgesehen vom zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr sollen alle Maßnahmen "kostenneutral" sein: "Bildungskompass" ab dreieinhalb Jahren, Modellregionen für die Gesamtschule oder auch das Highspeed-Internet für alle Schulen.

Ist das eine realistische Annahme?

Mitnichten. Als Beispiele: Zusätzliche Dokumentation durch das Kindergartenpersonal muss bezahlt werden. Internetprovider sind keine Wohlfahrtsorganisationen. Die Ergebnisse der Modellregionen sollen wissenschaftlich untersucht und evaluiert werden. Und abseits der Bildungsreform steigt wegen der Flüchtlingskrise die Schülerzahl. (Gerald Gartner, 4.3.2016)

  • Die Ausgaben für das Bildungssystem steigen je nach Sektor ungleichmäßig.
    foto: melpomenem/istock

    Die Ausgaben für das Bildungssystem steigen je nach Sektor ungleichmäßig.

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