Frankenkredite: Ausgerollt

Kommentar3. März 2016, 17:37
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Die Chance auf einen günstigen Ausstiegskurs wurde verpasst

Die Stadt Wien entledigt sich der Frankenkredite – man will sich ja nicht den Anstrich der Spekulation geben. Damit verliert die Bundeshauptstadt leider auch das Patent auf eine international vielbeachtete Erfindung: das Rollieren. Dank der ständigen Refinanzierung von Frankenkrediten via neue Frankenkredite war die Großkommune nämlich vom massiven Anstieg der Schweizer Währung gar nicht betroffen. Die ganze Welt beneidete Österreichs Finanzgenies unter der Führung von Oberguru Renate Brauner.

Nun wird das Kapitel also beendet, weil die Öffentlichkeit Fremdwährungskredite plötzlich argwöhnisch betrachtet. Blöderweise hat Wien nichts von der Aktion der Finanzmarktaufsicht und der Notenbank Ende 2008 mitbekommen, die damals die Frankenkredite an private Haushalte wegen des Kursrisikos stoppten. Deshalb wurden 2010 – mitten in den rasanten Anstieg der Fremdwährung hinein – neue Frankenkredite aufgenommen. Auch die im Vorjahr beendete Abwertung durch die Notenbank drang nicht bis nach Wien durch. Die Chance auf einen günstigen Ausstiegskurs wurde damit verpasst.

Mittlerweile wiegt der Fremdwährungsrucksack zwei Milliarden Euro. Aber auch das sollte kein Problem sein: Anstatt den Franken zu rollieren, kann man ja die Bürger rollen. Der nächste Rollout neuer Belastungen wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. (Andreas Schnauder, 3.3.2016)

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