Der Aktenrebell

Einserkastl3. März 2016, 17:19
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Die tragischen Überforderungen unserer fleißigen und unbestechlichen öffentlich Bediensteten

Immer wieder erfahren wir – meist viel zu spät – von tragischen Überforderungen unserer fleißigen und unbestechlichen öffentlich Bediensteten. Der Klassiker ist ja der Briefträger, der Tonnen von Zustellgut entweder zu Hause angesammelt oder gleich in den Müllcontainer entsorgt hat. Es war ihm einfach zu viel.

Ähnlich, aber doch ungewöhnlicher der Fall der bekannten Salzkammergutgemeinde St. Wolfgang am Wolfgangsee, in der 900 Bauverfahren, zum Teil seit 20 Jahren, einfach nicht abgeschlossen wurden. Formal sind das alles Schwarzbauten.

Der zuständige Beamte hatte sich schon vor langer Zeit überfordert gefühlt und Verstärkung angefordert. Als er die vom vorigen Bürgermeister – der seine "schlanke Verwaltung" rühmte – nicht bekam, trat er in Streik und schloss Bauverfahren einfach nicht mehr ab. Ein stiller Aktenrebell, ein bürokratischer Widerstandskämpfer.

Da sich die Häuslbauer offenbar auch nicht rührten, stellen sich jetzt jede Menge juristischer Fragen, von der Hausversicherung bis zur Möglichkeit von nachträglichen Genehmigungen. Der frühere Bürgermeister, der nach einem kritischen Prüfbericht zurücktrat, führt jetzt zu seiner mangelnden Aufsichtspflicht an, man könne nicht "jedem Akt nachlaufen". Das werden Bürger in anderen Gemeinden, die von allen möglichen Behörden wegen aller möglichen Bagatellen sekkiert werden, als befreiende Äußerung empfinden. (Hans Rauscher, 3.3.2016)

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