Im Apfelgeschäft steckt der Wurm drin

3. März 2016, 17:28
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Steirerfrucht, einer der größten Obsthändler Österreichs, ist insolvent. 116 Arbeitsplätze stehen in einer kleinen Gemeinde auf dem Spiel

Wien – Der steirische Apfel steckt in der Krise. Frisch und saftig sind die Geschäfte mit Sorten wie dem Golden Delicious seit Jahren nicht mehr. Der Konsum stagniert, Vermarkter bleiben auf vollen Steigen sitzen. Und seit Polen als größter Produzent infolge russischer Importsanktionen ganz Mitteleuropa mit billigem Obst überschwemmt, sehen viele in der Branche rot.

Jetzt hat einer der größten österreichischen Apfelhändler die Notbremse gezogen, konkret die steirische Raiffeisen Landesbank. Sie wollte eigentlich schon längst aus dem Geschäft aussteigen und ihre Tochter, die Steirerfrucht, an Partner verkaufen. Doch die seit Spätsommer laufende Suche nach geeigneten Angeboten scheiterte.

Am Donnerstag meldete der Betrieb Insolvenz an – und mit ihm die Apfel-Land Fruchtlogistik. 113 Mitarbeiter sind betroffen. Es sind vor allem Arbeiterinnen, 70 Prozent unter ihnen angelernte Kräfte. Ihr Job ist es, Äpfel zu sortieren und verpacken. Raiffeisen hatte in St. Ruprecht an der Raab Lagerkapazität für 35.000 Tonnen Äpfel geschaffen, doch viel davon blieb ungenutzt. 2014 leitete Gerhard Mann als neuer Geschäftsführer die Sanierung ein. Die Probleme mit Russland kamen dazwischen.

Beide Betriebe sind in Summe mit 19 Millionen überschuldet. Im Rahmen eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung sollen sie fortgeführt werden. Ziel sei, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu halten, sagt Mann. Er hofft, dass sich doch noch Partner finden.

Wenig bleibt übrig

Leichter werde das Geschäft jedoch nicht, befürchtet er. Es müsse europaweit aufgrund von Überkapazitäten Anpassungen geben. Derzeit bleibe für die Bauern einfach zu wenig übrig. "Europa muss gemeinsam neue Strukturen für seine Landwirtschaft finden."

Die Erzeugergemeinschaft Opst (Obst Partner Steiermark), die Äpfel von 600 Bauern vermarktet und damit 60 Prozent des österreichweiten Anbaus, hat bei den insolventen Betrieben mehr als 14.000 Tonnen eingelagert. Die Pleite sei bitter, sagt ihr Chef David Eibel, zumal die Steirerfrucht der Bauernschaft rund um Opst zum Kauf angeboten worden sei. Doch diese war sich uneinig. "Man hätte es retten können – für uns wäre es eine große Chance gewesen."

Der St. Ruprechter Bürgermeister Herbert Pregartner ist sich sicher, dass der Standort erhalten bleibt. "Es kann nicht sein, dass ein Betrieb, der um zig Millionen gebaut wurde, nicht weiterbetrieben wird." Im nahen Weiz schloss kürzlich Wollsdorf ein Lederwerk mit 240 Mitarbeitern, 134 konnten aber ins vis-à-vis der Steirerfrucht gelegene Stammhaus wechseln.

Mit 8,4 Prozent ist die Arbeitslosigkeit im ebenso fast auf Sichtweite befindlichen Gleisdorf die niedrigste Quote der Steiermark, sagt AMS-Geschäftsstellenleiter Walter Gottfried. Die Insolvenz sei dennoch ein herber Schlag. "Die Herausforderung ist, betroffene Beschäftigte höher zu qualifizieren." Es gebe zwar offene Jobs, immer seltener aber für ungelernte Kräfte. (Verena Kainrath, 3.3.2016)

  • Jeder zweite österreichische Apfel wird exportiert. Doch die Preise in Europa sind im Keller.

    Jeder zweite österreichische Apfel wird exportiert. Doch die Preise in Europa sind im Keller.

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