Trumps Erfolg zerreißt die Republikaner

3. März 2016, 20:57
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Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney tritt gegen Trump auf: Wähler sollen sich von Milliardär "nicht für blöd verkaufen lassen"

Washington/Wien – "Eher würde ich für Josef Stalin stimmen", drückt Max Boot, außenpolitischer Berater von Kandidat Marco Rubio, in einem Interview mit der New York Times überspitzt aus, worüber viele Konservative in den USA im Moment nachdenken. Nach den überzeugenden Siegen des New Yorker Milliardärs am Super Tuesday bereiten sich Teile des republikanischen Parteiestablishments erstmals ernsthaft darauf vor, einen Kandidaten außerhalb der Partei zu wählen.

Während Boot sich im Fall einer Trump-Kandidatur auch vorstellen kann, für Hillary Clinton zu stimmen, sehnen sich andere nach einem dritten Kandidaten für die Wahl. Mindestens 70 republikanische Außenpolitik- Experten hatten bis Freitagnachmittag einen Brief unterzeichnet, in dem sie eine Unterstützung Trumps ausschlossen. Auch mehrere Abgeordnete kündigten an, sowohl die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten als auch Trump bekämpfen zu wollen.

Todesstoß für Rubio

Noch problematischer für Trump: Unter jenen, die statt für Trump für einen unabhängigen Kandidaten stimmen wollen, sind viele Anhänger der religiösen Rechten – jener Gruppe, die in den vergangenen Jahrzehnten zu einer verlässlichen Bank der Republikaner geworden ist. Für manche ist Trumps Nähe zu rassistischen Gruppen ausschlaggebend, für viele andere seine frühere Unterstützung legaler Abtreibungen.

Anderswo in der Partei hat man sich noch nicht mit dem Kandidaten Trump abgefunden. Vor allem Großspender haben in den vergangenen Tagen Millionen zusätzliche Dollar in TV-Werbung für die Vorwahlen in Florida in rund zehn Tagen gesteckt. Auch im Heimatstaat von Marco Rubio führt Donald Trump bisher die Umfragen deutlich an. Weil dort die Delegiertenstimmen nicht anteilsmäßig vergeben werden, sondern alle an den Sieger gehen, wäre ein Sieg Trumps wohl ein endgültiger Todesstoß für Rubio.

Im Kampf gegen den Immobilienmilliardär soll nun ausgerechnet der 2012 als Präsidentschaftskandidat gescheiterte Mitt Romney eine zentrale Rolle spielen. Kurz vor der TV-Debatte der republikanischen Kandidaten in Detroit in der Nacht zu heute, Freitag, wollte der frühere Gouverneur von Massachusetts laut Medienberichten bei einer Rede in Utah gegen Trump auftreten. Laut vorab bekanntgewordenen Redeauszügen wollte er Trump darin als "Schwindler" bezeichnen, "der die Amerikaner für blöd verkauft". Sein Antreten werde nicht nur für die Partei schwerwiegende Folgen haben, sondern für das ganze Land. Und: "Seine Versprechen sind so wertlos wie ein Abschluss an der Trump-Universität" – eine Bildungseinrichtung, die laut Vorwürfen mit falschen Versprechen 5000 Studenten um 40 Millionen Dollar betrogen haben soll.

"Die Nominierung verdient"

Andere Politik-Veteranen halten dieses Ansinnen für sinnlos. Der republikanische Stratege Alex Castellanos, der im Vorjahr noch eine Kampagne gegen Trump organisiert hatte, wird in der Washington Post mit den Worten zitiert, Versuche, den Populisten noch zu stoppen, "existieren nur noch als Leugnungsphase des Sterbens". Das findet auch der frühere Bildungsminister von Präsident Ronald Reagan, William Bennet. "Warum sollte man ihm die Nominierung wieder abnehmen?", fragt er. Immerhin habe die Partei für lange Zeit versucht, weiße Arbeiter als Wählerschicht für sich zu erschließen. "Jetzt sind sie da – und wir wollen sie verjagen?" (Manuel Escher, 3.3.2016)

  • 2012 traf sich Mitt Romney (links) als Präsidentschaftskandidat noch mit Donald Trump. Nun soll er gegen ihn auftreten.
    foto: ap / julie jacobson

    2012 traf sich Mitt Romney (links) als Präsidentschaftskandidat noch mit Donald Trump. Nun soll er gegen ihn auftreten.

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