Heringsbuffet: Auch Wale haben eine Tischordnung

4. März 2016, 18:05
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Nahe Cape Cod finden sich Milliarden Heringe zum Laichen ein – verschiedenste Walarten machen Jagd auf sie, Durcheinander gibt es dennoch keines

Boston – Heringschwärme können Dutzende Millionen Individuen umfassen. Wenn sich im Frühherbst an der Georges Bank nahe Cape Cod die Heringe zum Laichen einfinden, werden daraus Milliarden: Ein reich gedeckter Tisch für alle möglichen Arten von Meeresräubern – unter anderem auch für Wale.

Wie Forscher der Bostoner Northeastern University und des MIT zusammen mit US-amerikanischen und norwegischen Kollegen in "Nature" berichten, lockt die enorme Ballung der Fische unter anderem Buckelwale, Seiwale, Zwergwale und Blauwale in die seichten Gewässer vor der Nordostküste der USA. Dass alle zur Jagd auf die gleiche Beute blasen, führt aber nicht zu einem einzigen Durcheinander: Die einzelnen Walarten bleiben offenbar lieber unter sich und ballen sich jeweils in spezifischen "Hotspots" innerhalb des 240 Kilometer langen Gebiets.

Am Ruf erkannt

Ermöglicht wurde diese Erkenntnis durch das Forscherehepaar Purnima Ratilal und Nicholas Makris, die die Lautäußerungen von Walen aufzeichneten und sie so unterscheiden konnten. Dabei fanden sie auch akustische Hinweise auf Jagdgemeinschaften und -strategien: Tagsüber verteilen sich die Heringe einigermaßen gleichmäßig in dem Gebiet. Wird es dunkel, ballen sie sich zu Megaschwärmen – dann nehmen auch die Walrufe dramatisch zu.

Sich zu Schwärmen zu ballen, ist eigentlich ein Schutzmechanismus. Gegen die Meeresriesen hilft das allerdings nichts, im Gegenteil: Buckelwalen etwa kommen Ballungen sehr entgegen; sie treiben die Fische sogar noch mehr zusammen und ihren Artgenossen direkt vor die Mäuler. Diese gemeinsame Jagd wird offenbar durch fortlaufende Kommunikation gesteuert.

Gründe, unter sich zu bleiben

Kooperative Jagd kann also zumindest für Buckelwale Grund genug sein, sich nicht unter Wale anderer Arten zu mischen. Ratilal hält aber auch eine Art Territorialverhalten für eine mögliche Ursache, warum die Tiere lieber unter sich bleiben.

Oder es liegt an den Eigenschaften einzelner Örtlichkeiten innerhalb des Gebiets, die mal der einen, mal der anderen Art eher entgegenkommen: Schließlich unterscheiden sich die am großen Fressen beteiligten Spezies sowohl im Jagdverhalten als auch in der Körpergröße beträchtlich. Ratilal hofft, dass weitere Forschungen die Tischordnung der Wale besser verstehen helfen werden. (red, 4. 3. 2016)

  • Panisch springen hunderte Heringe aus dem Wasser, als ein Buckelwal sie in einem "Netz" aus Luftblasen zu fangen versucht.
    foto: imago/nature picture library

    Panisch springen hunderte Heringe aus dem Wasser, als ein Buckelwal sie in einem "Netz" aus Luftblasen zu fangen versucht.

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