Von Paten zur Pflegefamilie für junge Flüchtlinge

4. März 2016, 14:11
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Die ersten fünf Gastfamilien in Salzburg nehmen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf

Salzburg – Die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt ist sichtlich berührt: "Es ist ein Herzensanliegen der Kija, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auch bei Gastfamilien wohnen können." Nun ist das Anliegen der Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) umgesetzt. Seit 1. März dürfen Familien auch in Salzburg junge Flüchtlinge bei sich aufnehmen und bekommen auch Pflegegeld dafür. Die ersten fünf Gastfamilien haben sich schon gemeldet, weitere werden gesucht.

Michael und Sophie Zichy sind so gesehen Pioniere in Salzburg. Sie haben einen 15-jährigen Flüchtling aus Afghanistan bei sich zu Hause aufgenommen. Die Zichys haben bereits vier Kinder im Alter von 11 und 13 Jahren sowie neunjährige Zwillinge. "Er hat von Anfang an die Rolle des großen Bruders übernommen", sagt Sophie Zichy. Der Junge aus Afghanistan lebt bereits seit einem Monat bei der Familie. Bislang wurde die Unterbringung als Privatunterkunft geführt, nun sind die Zichys offiziell die Pflegeeltern des 15-Jährigen.

Rechtlicher Rahmen geschaffen

Bisher scheiterte die Unterbringung in Familien an den unterschiedlichen Zuständigkeiten, der Finanzierung und den rechtlichen Rahmenbedingungen. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist die Grundversorgung zuständig, die auch die Unterbringungskosten finanziert. Für Pflegekinder hingegen die Kinder- und Jungendhilfe des Landes.

In Salzburg habe man nun einen Weg gefunden, die bürokratischen Hürden zu überwinden, sagt Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne). Die Grundversorgung wird weiter ausbezahlt, die Aufzahlung auf das gesetzliche Pflegegeld kommt aus der Kinder- und Jugendhilfe. Insgesamt beträgt das Pflegegeld 689 Euro pro Monat. Im Budget der Kinder- und Jugendhilfe gebe es dafür "keine Obergrenze", versicherte Schellhorn.

"Die Kinder waren Feuer und Flamme"

"Wir haben immer schon überlegt, ein Pflegekind aufzunehmen", sagt Michael Zichy. Als die Flüchtlingszahlen in Österreich anstiegen, habe die Familie helfen wollen. Die Kija Salzburg vermittelte den Kontakt zu dem jungen Flüchtling. "Bereits bei der ersten Begegnung hat es gefunkt und auch die Kinder waren Feuer und Flamme", erzählt der Pflegevater. Es sei recht schnell gegangen, dass der 15-Jährige bei ihnen wohnen konnte, "aber für uns noch zu langsam", sagt der Universitätsprofessor.

Die Zichys unterstützen den 15-Jährigen bei den Hausaufgaben, beim Deutschlernen und erklären ihm auch soziokulturelle Unterschiede. "Wichtig ist aber, dass er nun menschliche Dinge nicht mit sich allein ausmachen muss", sagt die Pflegemutter. "Wenn er traurig ist, kommt er zu uns, wie bei jedem Kind." Bei der Kija Salzburg haben die Zichys bereits eine Ausbildung absolviert, die sie auf die Betreuung junger Flüchtlinge vorbereitet hat. Dabei wurde etwa auf den Umgang mit traumatisierten Jugendlichen eingegangen sowie das Asylrecht behandelt.

Ausbildung für Paten für junge Flüchtlinge

Aus dem Mentorenprojekt Open Heart der Kija Salzburg entstand auch die Intention, junge Flüchtlinge in Pflegefamilien unterzubringen. Freiwillige können sich im Rahmen von Open Heart bei der Kija melden und werden dann Paten eines Jugendlichen, der sich für das Projekt beworben hat. Die Paten treffen sich etwa einmal pro Woche mit den Jugendlichen und sind einfach für sie da. Einige der Paten von jungen Flüchtlingen meldeten die Bereitschaft an, die Jugendlichen auch bei sich zu Hause aufzunehmen.

Träger des nunmehrigen Projekts der Gastfamilien ist das SOS-Kinderdorf, das mit dem Clearinghouse in Salzburg umfassende Erfahrung mit der Unterbringung von jungen Flüchtlingen hat. Das SOS-Kinderdorf steht den Gastfamilien als Ansprechpartner zur Verfügung, führt Schulungen und Weiterbildungen für die Pflegeeltern durch und auch ein Trauma-Therapeut stehe zur Verfügung.

Die Kija Salzburg bleibt für die Schulung und Begleitung der Paten für das Mentorenprojekt zuständig. 33 junge Flüchtlinge in Salzburg haben bereits fixe Paten, fast doppelt so viele stehen auf der Warteliste. Das Interesse an einer Patenschaft ist jedoch ungebrochen groß. "Wir kommen mit den Ausbildungen kaum nach", sagt Holz-Dahrenstaedt. Derzeit laufe bereits der vierte Lehrgang, zwei weitere werden heuer noch angeboten. (Stefanie Ruep, 3.3.2016)

  • Unten: Eine der ersten fünf Gastfamilien, die Eltern Michael und Sophie Zichy. Oben: Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt, Flüchtlingspatin Eva-Maria Möseneder und Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (von links nach rechts).
    foto: lmz/neumayr

    Unten: Eine der ersten fünf Gastfamilien, die Eltern Michael und Sophie Zichy. Oben: Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt, Flüchtlingspatin Eva-Maria Möseneder und Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (von links nach rechts).

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