Hugh Hefner, Eric Papilaya und das Zuckerhütl

Blog5. März 2016, 12:10
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Fremdschämen mit den Lugners, Nachdenken mit Irmgard Griss, Wandern mit Andreas Khol: Mit den Präsidentschaftskandidaten unterwegs im Internet

Cathy Lugner, die mit ihrem Mann, dem Baumeister, für die Hofburg kandidiert, feierte dieser Tage ihren 15.000. Fan auf ihrer Facebook-Seite. Da kann man nur gratulieren. Und von den "Knutschies", die dafür an die Fans verteilt werden, fühlen wir uns natürlich auch bedacht, ein wohlig-peinlicher Schauer durchzuckt uns. Für Hardcore-Anhänger der jungen Dame gibt es allerdings eine schlechte Nachricht: "KEINE Freundschaftsanfragen mehr, meine Liste ist leider voll." Was einen nicht daran hindern muss, sich mit einem "Like" hier zu verewigen. Wer mehr braucht, der sei auf die Homepage der Mörtel-Gattin verwiesen, die ging jüngst online. Inhalte gibt es dort noch keine, aber jede Menge Fotos, was wohl Programm ist, und ja, auch solche Fotos.

facebook

Voll motiviert

Für den anstehenden Wahlkampf ist Spatzi, wie sie sich nennen lässt, jedenfalls "voll motiviert". Irritierend ist nur, dass Cathy auf ihrem Facebook-Titelbild nicht mit Ehemann Richard posiert, sondern mit einem anderen alten Mann, der sich bei näherem Hinsehen als "Playboy"-Gründer Hugh Hefner entpuppt. Logisch. Cathy ist "Official Playboy Bunny", wer würde da nicht vor Stolz platzen, ihrem metaphorischen Sinn.

Online hat die Cathy jedenfalls alle Hände voll zu tun, den Satire-Account @firstlady4aut auf Twitter ließen die Lugners mittlerweile sperren. Ein anderer mit dem Profilnamen "Nicht Cathy", damit es da keine Missverständnisse gibt, rückte nach. Eine andere Seite, die die Lugners nicht von der ernsten Seite nimmt, nämlich moertel16.at, ist noch online. Dort findet sich eine wunderbare Mörtel-Jukebox, auf der sich die interessanten Äußerungen des Baumeisters und seines Spatzis akustisch abrufen lassen. Nach wie vor großartig: der Wutanfall Lugners, in dem es "Wir diskutieren hier nicht" aus ihm herausschreit. Mit dem gezielten Einsatz dieser Tonfrequenz lässt sich mühelos jede häusliche Auseinandersetzungen um einige Eskalationsstufen weiterdrehen.

Ernst der Sache

Bei anderen Kandidaten geht es gesitteter zu. In der SPÖ hat man unlängst ja auch Facebook und Twitter entdeckt und versucht diese Kanäle auf Rudolf Hundstorfer anzuwenden. Über die 4.700 "Likes" kann eine Cathy Lugner nur lächeln, aber die Kurve zeigt steil nach oben. Zumindest jeden zweiten, dritten Tag findet sich bei Hundstorfer ein neuer Eintrag, der Unterhaltungswert ist dem Ernst der Sache angepasst: "Gewalt gegen Frauen. Geht. Gar. Nicht. Als ehrenamtlicher Obmann des Vereins 'Wider die Gewalt' unterstützt Rudolf Hundstorfer die aktuelle Kampagne des ORF." Ein paar hundert Hundstorfer-Fans unterstützen auch dieses Anliegen mit einem "Like".

Song Contest für Van der Bellen

Alexander Van der Bellen, der als Grüner gänzlich unabhängig antritt, hat wesentlich mehr Traffic auf seiner Seite. Mehr als 50.000 Menschen gefällt seine Facebook-Seite, und das mit gutem Recht. Wir erfahren etwa: "Hey, ich bin Eric Papilaya, ich unterstütze Alexander Van der Bellen." Jetzt mussten wir schnell googeln und haben immerhin erfahren, dass Eric Papilaya ein österreichischer Musiker ist, der Österreich vor vielen Jahren beim Song Contest vertreten hat. Wieder etwas gelernt!

Khol in der Gletscherbahn

Schauen wir zu Andreas Khol, dem Kandidaten der ÖVP. Er ist "Erfahrener. Staatsmännischer. Mutiger." Diese Art der Interpunktion gefällt uns, das klingt so modern und nach Internet. Kurz und bündig, das wird mit einem "Like" belohnt. Mehr als 15.000 andere Menschen denken ebenso. Dennoch werden wir auch hier mit Informationen erschlagen: "Als Bub hat für mich gegolten: Stubai statt Dubai. Die 'grüne Lackn' in der Nähe der Dresdner Hütte am Weg zum 'Zuckerhütl' war eine kurze Erholung auf der Bergtour mit meinem Vater. So ein 'Hatscher' in der prallen Sonne! Das 'Zuckerhütl' hab ich damals noch nicht geschafft. Heute geht's für alle leichter mit den Stubaier Gletscherbahnen." Aha. Geht so Bundespräsident?

Sprung aus dem Flugzeug

Offenbar versucht Khol sich hier bei Heinz Fischer (noch amtierend) anzulehnen, der selbst begeisterter Bergsteiger ist und langjähriger Präsident der österreichischen Naturfreunde war. Allerdings ist Fischer auch mit einem Tandem-Fallschirm aus einem Bundesheer-Flugzeug gesprungen, da hat Khol noch einiges vor.

Schaden zufügen

Norbert Hofer, Kandidat der FPÖ, hat Khol längst überholt, er durfte am Donnerstag seinen 25.000. Fan auf seiner Facebook-Seite empfangen. Hier wird stramm Flagge gezeigt. Ja, er würde die Bundesregierung entlassen, wenn diese in der Flüchtlingsfrage so weitertut. "Die Entlassung der Regierung ist ein verfassungsmäßig festgelegtes Recht des Bundespräsidenten, das er in Anspruch nimmt, wenn sie dem Land Schaden zufügt." Rechts so.

Und Irmgard Griss? Die gerät mit ihren 10.000 Followern fast ein wenig ins Hintertreffen. Das reicht in der virtuellen Realität schon ein wenig an die Hundstorfer'sche Bescheidenheit heran. Irmgard Griss lächelt jedenfalls am sympathischsten von ihrer Seite herunter, keine Frage.

Gegenfrage

Hier gibt es auch Inhalte. Als Gegenfrage zum leidigen "Würden Sie HC Strache als Kanzler angeloben?" stellt Griss zur Diskussion: "Würden Sie einen Bundeskanzler auch dann nicht angeloben, wenn er nicht nur Chef der stimmenstärksten Partei wäre, sondern auch wenn er ohne Koalition eine Mehrheit im Parlament hätte? Würden Sie dann eine Minderheitsregierung angeloben, die einem Misstrauensvotum nicht standhält und Neuwahlen provozieren?" Das müsste jetzt Alexander Van der Bellen beantworten.

Aber weil das Fremdschämen so eine wunderschöne, zeitgeistige Disziplin geworden ist, schauen wir in der Zwischenzeit noch einmal rasch bei Cathy Lugner vorbei. (Michael Völker, 5.3.2015)

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