Warum manche Vögel so schlau sind wie Menschenaffen

5. März 2016, 13:09
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So unterschiedlich die Gehirne von Vögeln und Säugetieren auch sind, es gibt erstaunliche Parallelen, berichten Biologen in "Trends in Cognitive Sciences"

Wien/Bochum– Gehirne von Vögeln und Säugetieren unterscheiden sich deutlich. Vögeln fehlt etwa der Neocortex, der bei Säugern für höhere kognitive Leistungen verantwortlich ist. Dennoch sind kognitive Fähigkeiten mancher Vögel jenen von Primaten ebenbürtig. Wiener Forscher berichten nun mit Kollegen im Fachjournal "Trends in Cognitive Sciences" über eine Reihe von Faktoren in den Gehirnen der beiden Tiergruppen, die dem komplexen kognitiven Verhalten zu Grunde liegen.

In ihrem Übersichtsartikel haben der Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar von der Universität Wien und Onur Güntürkün von der Ruhr-Universität Bochum verschiedene Studien analysiert, die kognitive Fähigkeiten von Vögeln nachgewiesen haben. Sie zeigten dabei, dass "das mentale Geschick von Rabenvögeln und Papageien ebenso ausgeprägt und vielfältig ist wie das der Menschenaffen", so Güntürkün.

Kognition ohne Kortex

Während man bisher vielfach davon ausging, dass die Vögel ihre kognitiven Fähigkeiten nur in speziellen Bereichen, etwa beim Verstecken von Futter, anwenden können, zeigen verschiedene Studien die Breite ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit: Etwa Rabenvögel können unter anderem logisch denken, sich selbst im Spiegel erkennen und sich in andere hineinversetzen. Und das trotz der großen anatomischen Unterschiede im Gehirn von Vögeln und Säugetieren.

Meistern letztere komplexe mentale Aufgaben im Neocortex, läuft dies bei Vögel in äquivalenten Strukturen des Großhirns ab. Dabei unterscheidet sich die Gehirngröße der beiden Tiergruppen wesentlich: "Während die Gehirne von Menschenaffen durchschnittlich 275 bis 500 Gramm auf die Waage bringen, schaffen es die kognitiv ebenso geschickten Vögel ohne Kortex gerade einmal auf 5 bis 20 Gramm", so Bugnyar.

Entwicklung ungeklärt

Die Wissenschafter fragten sich deshalb, ob es möglich ist, dass sich in 300 Millionen Jahren unabhängiger Entwicklung der Arten sehr unterschiedliche Hirnmechanismen für komplexe Denkprozesse entwickelt haben. Bei ihrer Auswertung zeigte sich, dass sich trotz der offensichtlichen Unterschiede im Detail diverse Gemeinsamkeiten zeigen: Einzelne Gehirnareale sind auf ähnliche Weise neuronal verdrahtet und beide Tiergruppen besitzen eine präfrontale Hirnstruktur, die ähnliche exekutive Funktionen steuert.

Unklar ist aber, wie diese Ähnlichkeiten entstanden sind. Die neuronale Basis dafür könnte noch von den gemeinsamen Vorfahren von Vögeln und Säugetieren stammen. Für wahrscheinlicher halten die Autoren aber, dass die Gemeinsamkeiten unabhängig voneinander in der Evolution entstanden sind, da beide Tiergruppen vor ähnlichen Herausforderungen standen. Das würde bedeuten, dass bestimmte Verschaltungsmuster im Gehirn notwendig sind, um höhere Denkleistungen zu erbringen. (APA, red, 5.3.2016)

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