Der "Herrscher der Emojis" erklärt, wie neue Emojis entstehen

4. März 2016, 11:23
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Mark Davis ist maßgeblich dafür verantwortlich, welche Emojis auf unseren Smartphones landen.

63 Jahre ist Mark Davis bereits alt und würde man ihn durch ein Emoji symbolisieren, müsste man wohl am ehesten schon Unicode U+1F474 verwenden. Dennoch ist es dieser ältere Herr, der maßgeblich an der Entscheidung beteiligt ist, welche Emojis auf unseren Smartphones landen. Davis ist nämlich Mitbegründer und Präsident des Unicode-Konsortiums, das genau diese Auswahl trifft.

In einer Zeit, in der ein Emoji zum Wort des Jahres erklärt wird und vor allem Jugendliche Emojis stark nutzen, hat Davis somit erheblichen Einfluss auf unsere Kommunikation. In einem Interview mit dem TIME-Magazin verrät er, was gute Emojis ausmacht und warum mehr Diversität angestrebt wird.

Durch Emojis ins Rampenlicht

Das Unicode-Konsortium entstand lange bevor Emojis überhaupt die Bildfläche betraten, nämlich 1991. Da Computer oft isoliert konstruiert wurden, entstanden auch unterschiedliche digitale Codes für einzelne Zeichen. Durch den Unicode sollten diese verschiedenen Codes vereinheitlicht werden, um reibungslose Kommunikation zu ermöglichen. Das Unicode-Konsortium nahm sich der (Weiter-)Entwicklung und Herausgabe dieses Unicode-Standards an.

Größere öffentliche Aufmerksamkeit erlangte es aber erst durch die Emojis. Denn neben gewöhnlichen Zeichen und Symbolen fallen auch diese in den Verantwortungsbereich des Unicode-Konsortiums. Die meisten größeren Unternehmen orientieren sich an der Emoji-Regulierung dieser Non-Profit-Organisation.

Wie Emojis zu uns kamen

Emojis tauchten kurz vor der Jahrtausendwende in Japan auf. Mark Davis schildert, dass es dort aber das Problem gegeben hätte, dass drei Anbieter jeweils verschiedene Sätze an Emojis zur Verfügung stellten, die unterschiedliche Codes nutzten.

Das Konsortium sah sich veranlasst, eigene Unicode-Emojis zu erstellen. Diese wurden schließlich 2010 veröffentlicht und etablierten sich relativ schnell. Jedes Jahr wird entschieden, welche Emojis den Sprung in die zur Verfügung stehende Auswahl schaffen.

Entstehung neuer Emojis

Jeder kann beim Unicode-Konsortium neue Emojis vorschlagen. Allerdings sind die Formalitäten zu beachten und notwendige Informationen anzugeben. Einreichungen sollten durchaus ernsthaft behandelt werden, denn auf die Art "Oh, ich finde, es wäre super, ein betrunkenes Streifenhörnchen-Emoji zu haben" funktioniere es nicht, meint Davis.

Zudem müsse klar begründet werden, warum gerade dieses eine Emoji das Potential hat, Popularität und Beliebtheit unter den Usern zu erlangen. Dieser Aspekt sei unter zahlreichen weiteren Faktoren einer der wichtigsten, um überzeugen zu können. Außerdem sollte die Bedeutung des Emojis klar erkennbar sein.

Diversität für mehr Vielfalt

Das Unicode-Konsortium will auch für mehr Vielfalt unter den Emojis sorgen. Mittlerweile lassen sich etwa auf einem iPhone bereits verschiedene Hautfarben verwenden. Außerdem will man mehr weibliche Emojis integrieren und generell für mehr Diversität im Geschlechterbereich sorgen.

Man reagiere dadurch auf das Feedback der User, meint Davis. Ursprünglich wäre es aber der Plan gewesen, so neutral wie möglich zu bleiben, um nicht zu viele Emojis einzuführen.

Aufmerksamkeit ist positiv

Mit der Aufmerksamkeit, die dem Unicode-Konsortium gerade durch die Emojis zuteilwird, kommt Mark Davis gut zurecht. Dadurch würde auch den anderen Arbeitsbereichen der Organisation Beachtung geschenkt werden. Denn das eigentliche Ziel des Konsortiums sei es, jedem Menschen auf der Erde zu ermöglichen, seine Sprache zu verschriften und auf Smartphones und Computern zu verwenden.

Dass das Konsortium dabei nicht selten als eine mysteriöse Vereinigung angesehen wird, die in Hinterzimmern über die der Menschheit zur Verfügung stehenden Emojis berät, nimmt Davis daher mit Humor. Eines seiner T-Shirts ist mit "shadowy emoji overlords" (schattenhafte Emoji-Herrscher) bedruckt.

Wahrscheinlich wird das Konsortium bald wieder im Medienfokus stehen, wenn neue Emojis eingeführt werden. Vielleicht gibt es dann auch eines, das besser zu dem junggebliebenen Mark Davis passt als U+1F474. (red, 3.3.2016)

  • Emojis mit unterschiedlicher Hautfarbe für mehr Diversität.
    foto: ap

    Emojis mit unterschiedlicher Hautfarbe für mehr Diversität.

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