Slowenien: Statuetten aus Mesopotamien in Flüchtlingslager entdeckt

3. März 2016, 15:44
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4.500 Jahre alte Figuren aus Alabaster werden in Nationalmuseum in Ljubljana aufbewahrt – Polizei ermittelt

Ljubljana – Zusammen mit Menschen, die aus Syrien und dem Irak fliehen, verlassen offenbar auch wertvolle historische Gegenstände die krisengeschüttelten Länder. In einem Aufnahmezentrum in Slowenien sind im November drei, mindestens 4.500 Jahre alte, sumerische Statuetten entdeckt worden. Der Ursprung der Figuren wird nun untersucht, teilte die Polizei laut Medienberichten vom Donnerstag mit.

Die Statuetten waren im Flüchtlingslager Gruskovje an der Grenze zu Kroatien gefunden worden, wo zuvor Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern vorläufig untergebracht waren. Die Polizei versucht nun herauszufinden, wer die Figuren nach Slowenien gebracht hatte.

Keine Fotografien

Archäologen des slowenischen Nationalmuseums in Ljubljana, wo der wertvolle Fund seither aufbewahrt wird, bestätigten laut der Polizei die Authentizität und das Alter der Figuren, die aus dem Gebiet des alten Mesopotamiens stammen. Fotografien der Statuetten zeigt die Polizei aus Ermittlungsgründen nicht.

Es handelt sich um drei Figuren aus Alabaster, die zwischen 22 und 29 Zentimeter groß sind, wie die Tageszeitung "Delo" am Donnerstag berichtete. Die Priestergestalten in betender Haltung mit auffälligen Augen datieren in die Zeit der Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. (2700 bis 2500 v. Chr.). Das genaue Gebiet, aus dem sie stammen, kann laut Experten nicht festgelegt werden.

Auf den Figuren gibt es laut dem Kustos keine sichtbaren Markierungen, die darauf hinweisen würden, dass sie aus einem Museum stammen. Allerdings könne man Markierungen auch leicht entfernen, betonte der Kustos für Urgeschichte, Peter Turk, laut Medienberichten. Dennoch hält der Experte es für wahrscheinlicher, dass sie aus einer Privatsammlung stammen.

Illegale Ausgrabungen

Auf dem Gebiet des alten Mesopotamien, also des heutigen Syrien und des Irak, seien zudem illegale Ausgrabungen häufig, da dies eine der seltenen Überlebensquellen sei, sagte der Urgeschichteexperte laut Nachrichtenportal 24ur.com. Durch die Kriege in Syrien und dem Irak hat sich in den vergangenen Jahren ein schwungvoller internationaler Handel mit geraubtem Kulturgut aus diesen Ländern entwickelt. (APA, 3.3.2016)

  • Touristen in der türkischen Stadt Harran in Nordmesopotamien.
    foto: reuters / murad sezer

    Touristen in der türkischen Stadt Harran in Nordmesopotamien.

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