Osama bin Laden suchte neue Leibwächter und wollte umziehen

3. März 2016, 18:09
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US-Geheimdienst veröffentlicht 113 Dokumente aus dem Nachlass des Al-Kaida-Chefs

Fünf Jahre nach dem Tod des Gründers der Terrororganisation Al-Kaida hat der US-Geheimdienst 113 Dokumente aus dem Nachlass Osama bin Ladens ins Netz gestellt. Die Übersetzungen aus dem Arabischen geben Einblick in das Leben des reichen Saudis. Die Briefe wurden bei der Erstürmung des Anwesens des Terroristen im pakistanischen Abbottabad sichergestellt.

In einem Dokument erläutert Osama, warum eine Machtübernahme der Jihadistenorganisation Gamaa Islamija nach der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat im Jahr 1981 seiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt gewesen wäre: "Ägypten hatte damals 60 Millionen Einwohner, die 150 Millionen Laibe Brot am Tag verbrauchten. Eine muslimische Nation wäre sofort mit einem weltweiten Embargo belegt worden … Wegen Nahrungsmittelmangels wäre es unweigerlich zu einem Aufstand gekommen, auch wenn das Volk unter islamischem Recht leben wollte …, deswegen hätte man zuerst die Herrschaft über den Sudan erlangen müssen, um dort genug Lebensmittel für ganz Ägypten anzubauen. Die staatlichen Mehlvorräte, die für zwei Wochen angelegt sind, hätten dann gereicht, bis wir Vorräte aus dem Sudan heranschaffen."

Leibwächter gesucht

In einem anderen Dokument beklagt Bin Laden, dass seine Leibwächter, zwei pakistanische Brüder, die auch Kurierdienste für ihn erledigten, erschöpft seien. Er sagt ihnen zu, Ersatz zu suchen, und bittet um etwas Zeit dafür. In einem anderen Schreiben fragt er einen Vertrauten, ob dieser Pakistaner kenne, die sich dafür eigneten.

Testament

Bin Ladens Familie sollte seinem Testament zufolge nach seinem Tod den Großteil seines Millionenvermögens für den weltweiten Jihad ausgeben. In einem der Papiere, das offensichtlich Ende der 90er-Jahre verfasst wurde, wollte Bin Laden regeln, was mit seinen im Sudan deponierten 29 Millionen Dollar (rund 27 Millionen Euro) passieren sollte. Demnach waren je ein Prozent für zwei Vertraute vorgesehen. Den Rest sollten seine engen Verwandten für den sogenannten Heiligen Krieg ausgeben – "zum Wohle Allahs". Außerdem nannte Bin Laden konkrete Summen, die seiner Familie zugutekommen sollten. Begünstigte waren etwa seine Mutter, einer seiner Söhne, ein Onkel und Tanten.

Aus den sichergestellten Dokumenten geht auch hervor, dass Al-Kaida-Mitglieder zunehmend wegen Spionen in den eigenen Reihen, Drohnen sowie geheimen Peilsendern besorgt waren. So schrieb Bin Laden einem Gehilfen, nach der Übernahme von Lösegeldern schnell den Koffer zu entsorgen, in dem die Banknoten transportiert wurden.

Seine Unterhändler im pakistanischen Peshawar wies er an, das Haus nur an bewölkten Tagen zu verlassen. Damit spielte er offenbar auf Drohnen an, mit denen die USA mutmaßliche Extremisten bekämpfen.

Bin Laden hatte Anfang der 90er-Jahre als offizieller Gast im damals islamistisch regierten Sudan gelebt. Im Mai 1996 wurde er von der Regierung in Khartum auf Druck der USA zur Ausreise aufgefordert und ging nach Afghanistan, von wo er nach der US-geführten Invasion des Landes nach Pakistan übersiedelte. (red, APA, Reuters, 3.3.2016)

  • Ein Anhänger Osama bin Ladens bei einer Kundgebung in Dhaka, Bangladesch. Wie die "Sesamstraße"-Figur Bert auf das Plakat gekommen ist, wird hier erklärt.
    foto: reuters/rafiqur rahman

    Ein Anhänger Osama bin Ladens bei einer Kundgebung in Dhaka, Bangladesch. Wie die "Sesamstraße"-Figur Bert auf das Plakat gekommen ist, wird hier erklärt.

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