Kranjska Gora, Hirscher und die nächsten Schritte

3. März 2016, 15:18
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Für Österreichs besten Skifahrer könnte es schon nach den Technikbewerben in Slowenien für die große Kristallkugel reichen

Seit 2011/12 führt im alpinen Ski-Gesamtweltcup kein Weg vorbei an Marcel Hirscher, das ringt auch seinen Teamkollegen Respekt ab. Als "beinharten Arbeiter" beschreibt Christoph Nösig den Branchenprimus. "Er hat das perfekte Umfeld und holt das Maximum heraus", sagt Philipp Schörghofer. An Hirschers Kugelgewinn zweifelt im ÖSV-Lager niemand mehr, wahr werden könnte dies bereits in Kranjska Gora.

Wenige Kilometer von der Kärntner Grenze entfernt stehen beim 55. Vitranc Cup auf dem Podkoren am Freitag (10.00/13.00 Uhr) und Samstag (9.30/12.30) jeweils ein Riesentorlauf, sowie am Sonntag ein Slalom (9.30/12.30) auf dem Programm. Hirscher hat im Gesamtweltcup 283 Zähler Vorsprung auf Henrik Kristoffersen, der Norweger wird im Saisonfinish nur noch die fünf ausstehenden Technikbewerbe bestreiten. Hat der 27-jährige Salzburger am Sonntag also zumindest 201 Zähler Vorsprung, ist ihm die große Kugel gewiss.

Kein Neid

"Marcel macht es extrem gut. Er kann es auch so machen, weil er das Standing im ÖSV und bei der Skifirma hat. Er hat natürlich überall den besten Support, was man auch verstehen muss. Er überlässt nichts dem Zufall, von dem kann man sich schon viel abschauen. Vom Kopf her ist er sowieso ein Killer sozusagen, als Sportler gesehen", hob Schörghofer die aus seiner Sicht entscheidenden Faktoren für den Hirscher-Erfolg hervor.

"Dass so viele Leute für ihn arbeiten, ist auch gerechtfertigt, weil er das durch seine Erfolge bestätigt", kommt auch bei Nösig kein Neid auf. "Ein Wahnsinn, was er bis jetzt geleistet hat. Er ist ein beinharter Arbeiter, was zum Beispiel das Material angeht. Technisch probiert er, alles rauszuholen. Er ist ein sehr guter Skitester, er spürt das alles brutal gut, was er braucht auf den gewissen Verhältnissen."

Aber auch körperlich sei Hirscher einer der Besten. "Wenn nicht der Beste. Alles zusammen passt bei ihm. Auch der Siegeswille, das gefällt mir so gut", meinte Nösig anerkennend. Er versteht auch, dass der Team- und Weltbeste so viel alleine und abseits der ÖSV-Mannschaft trainiert. "Durch die Erfolge hat er einfach ein gutes Gespür, ob er gut drauf ist. Dann braucht er gar nicht unbedingt den Vergleich zu den Teamkameraden, so wie wir ihn schon brauchen."

Akribischer Hirscher

Hirschers Akribie sieht auch Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher als Vorbild. "Wir müssen bei aggressiven Bedingungen bereit sein, mehr mit dem Material zu probieren. Wie Marcel das überall macht, müssen wir von der Speed-Seite her bereit sein, auf solchen Bedingungen mehr zu testen und zu versuchen, das Optimale rauszufinden", hatte er nach den Rennen in Südkorea deutlich gemacht, wie sehr Hirscher auch in diesem Belang vorbildhaft agiert.

Slalom-Cheftrainer Marko Pfeifer freute sich indes, dass es öfters Gelegenheit gab, mit Hirscher zu trainieren. "Ich habe mit der Gruppe die Nähe zum Weltbesten gesucht, ich wäre dumm, wenn wir das nicht nützen würden." Marcel sei auch immer offen für gemeinsames Training und habe auch eine Freude daran.

Roland Leitinger, der noch am Beginn seiner Karriere steht und als bestes Ergebnis einen sechsten Riesentorlauf-Platz von Sölden zu Buche stehen hat, verweist auf den Killerinstinkt Hirschers. "Er ist im Kopf einfach auch so fit und ein cooler Typ. Wenn es um etwas geht, schlägt er zu. Er hat einen Killerinstinkt, ist ein Siegertyp. Er riskiert immer auch ziemlich viel, bringt das aber runter, weil er die skifahrerische Klasse hat."

Natürlich sei es das Ziel, sich heranzuarbeiten. "Wenn man sieht, dass er in seinem Alter schon 37 Weltcup-Rennen gewonnen hat, kann man sich schon einiges abschauen. In meinem Alter hat er schon zwei Kugeln gehabt. Er hat so viel erreicht, ein Bruchteil davon wäre schon wunderschön. Marcel ist einfach gewaltig", sagte der 24-Jährige.

Und sonst

Neben Hirscher sind laut aktueller Riesentorlaufwertung auch Schörghofer und Manuel Feller beim Finale in St. Moritz mit dabei, Leitinger ist aktuell 26. und Nösig 30. Nur die Top-25 jeder Disziplin sowie die 500-Punktefahrer dürfen antreten.

"Ich habe sehr zum Kämpfen gehabt mit der FIS-Regel, was die Umstellung der Ski angeht. Heuer ist das erste Mal, dass ich halbwegs wieder da hinkomme, wo ich schon war. Rein von dem her, wie ich momentan drauf bin, traue ich mir zu, dass ich mich mit jedem messen kann", hat sich Schörghofer für den Saison-Ausklang noch einen Toprang vorgenommen, beste Saisonergebnisse waren zwei neunte Plätze.

"Ich glaube schon, dass noch einmal eine Steigerung möglich ist. Also ich erwarte schon ein bisschen was", meinte Nösig. Leitinger haderte wie viele Riesentorläufer mit den Rennabsagen und langen Pausen. "Der Rennrhythmus geht dir dann schon ein bisschen verloren."

Mit dem Slalom am Sonntag wird Reinfried Herbst das 126. und letzte Weltcuprennen seiner Karriere bestreiten. Der Gewinner der Slalom-Kristallkugel von 2010, von neun Weltcuprennen und Olympiasilber 2006 verabschiedet sich mit 37 Jahren in den Ruhestand. Der letzte Auftritt auf der Weltcup-Bühne könnte es auch für den des Kroaten Ivica Kostelic werden, das Karriereende des Gesamtweltcupsiegers von 2011 ist wegen massiver Knieprobleme wohl bald amtlich. (APA, 3.3.2016)

  • Der nächste Erfolg ist anvisiert.
    foto: reuters/ebenbichler

    Der nächste Erfolg ist anvisiert.

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    foto: apa
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