Digicams, Navis, MP3-Player: Die Opfer des Smartphones

2. April 2016, 09:46
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Zahlreiche Geräte haben seit dem Boom moderner Handys in der Gunst der Kunden stark verloren

Es kann telefonieren, lässt uns im Internet surfen und kommunizieren, Videos ansehen, Fotos schießen und vieles mehr. Und es passt dabei auch noch in die Hosentasche: Das Smartphone. Bis 2007 war es noch eine Randerscheinung, ehe Apple mit dem iPhone den Massenmarkt öffnete.

Heute hat fast jeder ein modernes Mobiltelefon mit Touchscreen und Anbindung an einen App-Store. Die Geräte haben in den vergangenen Jahren auch eine rasante Entwicklung durchgemacht. Ein Boom, der seine Opfer gefordert hat. Eine ganze Reihe einst beliebter Geräte verkauft sich heute nur noch schleppend, wie Statista anhand von Daten aus Deutschland zeigt.

Die herangezogenen Zahlen stammen aus dem Consumer Electronics Markt Index (CEMIX) und wurden von der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) erhoben.

foto: statista (CC-Lizenz)
Die Zahlen aus dem CEMIX.

Totalabsturz für Featurephones

Den größten Einbruch in der Kundengunst haben klassische Featurephones erlebt. Auch ihre meist lange Akkulaufzeit konnte gegen das Multitalent der neuen Kontrahenten nichts ausrichten. Über 20 Millionen der Geräte verkauften sich 2007, dem Erscheinungsjahr des iPhones, noch in Deutschland.

Drei Jahre später dominierten bereits Smartphones an den Kassen. 2015 verkauften sie sich 25 Millionen mal in der Bundesrepublik. "Klassische" Mobiltelefone wanderten hingegen nur noch 2,2 Millionen mal über den Tresen.

Starker Rückgang bei Digicams

Lange stabil hielten sich die Verkäufe von Digitalkameras. Denn vor allem in den ersten Jahren konnten die neuen, smarten Handys sich noch nicht mit klassischen Point-and-Shoot-Kameras messen. Das hat sich mittlerweile geändert. Selbst Mittelklasse-Smartphones liefern heutzutage unter vielen Lichtbedingungen passable Aufnahmen.

Seit 2011 ist bei Digicams ein spürbarer Abschwung zu verzeichnen. Rund acht Millionen Stück wurden damals noch gekauft. Vier Jahre später hat sich der Absatz mit 3,4 Millionen mehr als halbiert. Eine Aufteilung in Segmente liefern die Daten nicht, es steht aber zu vermuten, dass vor allem einfache Kameras einer Verdrängung durch Smartphones ausgesetzt sind. Mit teureren Bridge-Modellen und Spiegelreflexkameras können sie sich nach wie vor nicht messen.

MP3-Player sind dank Smartphones zur gefährdeten Spezies geworden.

Aussterbende Gattung: MP3-Player

Seit 2009 ebenfalls um gut die Hälfte zurückgegangen ist die Nachfrage nach eigenständigen Navigationssystem, die 2015 bei 2,2 Millionen Stück lag. Bei vielen Fahrern fungiert heute das Smartphone dank GPS-Empfang und guten Apps als Ersatz. Eine Rolle spielen dürfte aber auch, dass derlei Systeme heute in vielen Automodellen bereits integriert sind.

Einen dramatischen Absturz haben auch MP3-Player erlebt. Mit 1,4 Millionen Verkäufe rangiert diese Geräteklasse heute nur noch bei einem Fünftel der Verkäufe aus 2007. Eine Entwicklung, die auch vor Apple und der einst enorm erfolgreichen iPod-Reihe nicht halt gemacht hat. Diese jahrelang nicht um neue Modelle ergänzt. Eine neue Generation stellte der Konzern erst 2015 nach dem Start seines eigenen Streamingdienstes Apple Music vor. (gpi, 02.04.2016)

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